Im Alter von 86 Jahren
Ex-SED-Funktionär Günter Schabowski ist gestorben

„Sofort, unverzüglich“ – diese zwei Worte haben Günter Schabowski weltberühmt gemacht. Der Ex-SED-Funktionär hat mit dieser Aussage im November 1989 die deutsch-deutsche Grenze geöffnet. Nun ist Günter Schabowski gestorben.

BerlinEr ist der Mann, dessen Worte den Mauerfall in Berlin eingeläutet hat. „Sofort, unverzüglich“ gelte die neue Reisefreiheit, sagte Günter Schabowski im November 1989 auf jener legendären Pressekonferenz. Mehr als 25 Jahre später ist Günter Schabowski tot. Er starb am frühen Sonntagmorgen in Berlin, wie seine Witwe Irina Schabowski der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Schabowski wurde 86 Jahre alt.

1989 hatte Schabowski die Öffnung der Mauer fast beiläufig verkündet. Es ging um eine Regelung, wonach DDR-Bürgern künftig Reisen in den Westen erlaubt sein sollten. Allerdings hatte es sich die SED-Führung so vorgestellt, dass diese Reisen nur unter bestimmten Auflagen und auch erst vom nächsten Tag an beantragt werden konnten. All das war Schabowski entgangen. Auf die Frage eines Journalisten, ab wann die neue Regelung denn gelte, antwortete er mit den legendären Worten: „Sofort, unverzüglich.“ Als seine Worte in den Nachrichten verbreitet wurden, machten sich Tausende Berliner auf den Weg zu den Grenzübergängen.

Schabowksi, im vorpommerschen Anklam als Sohn eines Klempners geboren, hatte eine steile SED-Karriere hinter sich. 1978 übernahm er die Leitung der Parteizeitung „Neues Deutschland“. 1984 gelang dem Absolventen der Moskauer KP-Parteihochschule der Aufstieg ins SED-Politbüro, das höchste DDR-Machtgremium. 1985 wurde er Chef der Berliner SED-Bezirksleitung. Den Posten als Chefredakteur gab er auf. Kurz vor der Wende wurde er neben Krenz auch als Nachfolger des greisen Erich Honecker gehandelt.

Das frühere SED-Politbüromitglied bekannte nach der friedlichen Revolution immer wieder, er trauere der DDR nicht nach. Als erster Politiker aus der SED-Spitze hatte Schabowski Abgesandte der Bürgerbewegung „Neues Forum“ empfangen und versucht, die Wende mitzugestalten. Doch viele nahmen ihm seine persönliche Wandlung nicht ab. Bei der großen Demonstration auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989 wurde er lautstark ausgepfiffen. Für die SED-Nachfolgepartei PDS, die ihn im Januar 1990 ausschloss, fand Schabowski nur harte Worte. Er bekenne sich zu Mitverantwortung und moralischer Schuld, hatte der einstige Hardliner gesagt. „Die DDR ist an sich selbst zugrunde gegangen, weil sie ein untaugliches System darstellte.“

Als ihm neben dem letzten DDR-Staats- und Parteichef Egon Krenz vor dem Berliner Landgericht der Prozess gemacht wurde, räumte er ein, nichts könne rechtfertigen, dass auch nur ein einziger Flüchtling, „der uns den Rücken kehren wollte, dafür mit dem Leben bezahlen musste“. Damit ging er im Politbüro-Prozess auf Distanz zu Krenz. Er fand es „einfach peinlich“, dass bei seinem einstigen Parteichef kritische Einsichten fehlten. Im Gegensatz zu Krenz räumte er auch eine Mitschuld dafür ein, dass Menschen an der innerdeutschen Grenze bei Fluchtversuchen erschossen wurden.

Das Berliner Landgericht verurteilte Schabowski 1997 wegen Totschlags zu drei Jahren Haft. Die Richter urteilten, dass auch Schabowski zu den Verantwortlichen des menschenverachtenden Grenzregimes zwischen Ost und West gehörte. Er akzeptierte das Urteil. Krenz bekam sechseinhalb Jahre und ging dagegen vor.

Doch der Bundesgerichtshof bestätigte 1999 die Urteile. Schabowski wurde im September 2000 begnadigt und nach weniger als einem Jahr aus dem offenen Vollzug aus dem Berliner Gefängnis Hakenfelde entlassen. Krenz, dessen Beschwerden sowohl vom Bundesverfassungsgericht als auch vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte abgelehnt wurden, kam erst im Dezember 2003 vorzeitig frei.

Günter Schabowski war seit langem schwer krank, wurde betreut und trat nicht mehr öffentlich auf.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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