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Der Mann für Steinbrücks Image

Er soll für Unterstützung im Wahlkreis sorgen: Martin Schmuck wird Medienberater von Peer Steinbrück. Der Fernsehjournalist leitete das NRW-Studio des ZDF. Im Superwahljahr könnte er eine zentrale Rolle spielen.

Direkt mit Finanzpolitik hatte Martin Schmuck bisher eher wenig zu tun; sehr viel dagegen mit der SPD Nordrhein-Westfalens. Aus dem Lebenslauf des 64-jährigen schnauzbärtigen Leiters des ZDF-Studios in Düsseldorf erschließt sich, welche Aufgabe der erfahrene Fernsehjournalist von Juni bis Oktober für Bundesfinanzminister Peer Steinbrück vor allem erfüllen soll: die des Medienberaters im Wahlkampf. Steinbrücks Wahlkreis beginnt an der südöstlichen Stadtgrenze Düsseldorfs, sein Kontakt zur SPD-Basis gilt in der Partei als noch ausbaufähig.

Im Ministerium bleibt Steinbrück nach dem Abgang von Torsten Albig, der am Sonntag zu Kiels Oberbürgermeister gewählt wurde, ein Kreis zwar fachlich versierter, aber politisch im Vergleich zu Albig zurückhaltender Sprecher. Ein Nachfolger für Albig, der eine ganze Abteilung im Bundesfinanzministerium leitet, soll Schmuck nur auf politischer Ebene sein, hieß es im Ministerium. Albig muss zurzeit den Sturm der Entrüstung abfedern, der im Steuerstreit aus der Schweiz über Steinbrück hereinbricht.

Schmuck, den Mitarbeiter als freundlich mit durchaus Steinbrück-herbem Humor beschreiben, wird nach 20 Jahren zum 1. Mai das ZDF-Landesstudio verlassen – aber statt in Rente zu gehen für den Bundesfinanzminister arbeiten. Mit Steinbrück verbindet ihn viel: Beide kommen aus Norddeutschland, sind fast gleich alt und haben zu Zeiten, als Johannes Rau Landesvater von NRW war, am Rhein eine neue Heimat gefunden. Ihre Verbindung blieb gut auch in der Zeit, als Steinbrück erst Wirtschafts-, dann Finanzminister und bis 2005 Ministerpräsident in NRW war. Sie kennen sich noch aus der Zeit, als Steinbrück Büroleiter Raus war.

Schmuck hat Verlagskaufmann gelernt, auf dem zweiten Bildungsweg Politik studiert und nach einem Volontariat und einigen Jahren bei der Nachrichtenagentur dpa im Fernsehen Karriere gemacht – zuerst beim WDR, seit 1987 beim ZDF. Während der sozialdemokratischen Ära galt er als besonders gut informiert. Steinbrücks Ministerpräsidenten-Nachfolger Jürgen Rüttgers (CDU) soll seit längerem darauf drängen, ihn durch einen CDU-nahen TV-Mann zu ersetzen. Im Gespräch ist Phoenix-Moderator Michael Krons.

Journalistische Erfolge verbuchte Schmuck im vergangenen Jahr, als Steuerfahnder das Haus des ehemaligen Postchefs Klaus Zumwinkel durchsuchten: Das ZDF hatte als erstes Medium davon erfahren. Auch von dem SPD-Ausschluss des früheren Bundeswirtschaftsministers Wolfgang Clement wusste er als erster.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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