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Hans-Ulrich Krüger, der unterschätzte Pragmatiker

Zu behäbig, zu unauffällig - so lautet das Urteil von SPD-Männern, wenn sie über ihren Parteifreund Hans-Ulrich Krüger sprechen. Doch der 57-jährige hat es faustdick hinter den Ohren. Er sitzt dem HRE-Ausschuss vor. Lange Sitzungen, auch in der Sommerpause, schrecken ihn nicht.

Wenn bei den Sozialdemokraten das unter Politikern beliebte "Wer wird was"-Spiel zu beobachten ist, fällt nur selten der Name Hans-Ulrich Krüger. Zu behäbig, zu unauffällig wirkt der Grauschopf wohl unter jenen, die zu den prestigeträchtigen Posten drängen. Wenn es aber konkret wird mit dem Aufrücken, dann zeigt der 57-Jährige Kampfgeist - und schlägt bei der Wahl zum finanzpolitischen Sprecher den bayrischen Jungstar Florian Pronold.

Als es um den Vorsitz im Untersuchungsausschuss zur HRE ging, war Krüger automatisch die einzige Wahl für den Fraktionsvorsitzenden Peter Struck: Krüger kennt aus dem Finanzausschuss viele Details des Desasters der Hypo Real Estate. Und er war lange Jahre Richter in Osnabrück, bevor er Bürgermeister der niederrheinischen Stadt Voerde und 2002 Bundestagsabgeordneter wurde.

"Ich habe gelernt, ein solches Amt mit der gebotenen Neutralität zu leiten", sagt Krüger. Es sei sein Job, darauf zu achten, dass der Ausschuss formal korrekt arbeite. Mit seinem Parteifreund Peer Steinbrück und dessen Finanzministerium habe er sich deshalb nicht abgestimmt.

Wie Steinbrück zählt Krüger, der Mitglied bei den Seeheimern und dem Netzwerk ist, zum rechten Flügel der Partei und zum SPD-Landesverband Nordrhein-Westfalen. Persönlich erwarte er nicht, dass es FDP, Grünen und Linken gelinge, dem SPD-Minister Fehlverhalten bei der Bankenrettung nachzuweisen, sagt er.

Die Position der sozialdemokratischen Fraktion wird die Finanzexpertin Nina Hauer vertreten. Die wiederum hat sich nach eigenem Bekunden mit ihrem CDU-Kollegen Leo Dautzenberg darauf verständigt, dass die Koalition ihre Mehrheit nicht dazu nutzen will, Beweisanträge der Opposition niederzustimmen: Der Ausschuss, lautet die Koalitionslinie, sei eine Chance, öffentlich die dramatische Rettung der HRE zu erklären.

"Alles, was die Opposition will und formal zulässig ist, wird gemacht", verspricht Krüger also - und lehnt sich behaglich im Armstuhl zurück. Lange Sitzungen, auch in der Sommerpause, gehörten nunmal dazu: "Das schreckt mich nicht."

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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