Im Profil
Helmuth Markov: Linker Herr der Finanzen

Helmuth Markov ist zwar nahezu unbekannt, wird aber nun zur personifizierten Zeitgeschichte: Erstmals übernimmt ein Politiker der Linkspartei in Deutschland das Amt eines Landesfinanzministers. In der neuen rot-roten Brandenburger Landesregierung erbt der 57-Jährige das Finanzressort von SPD-Schwergewicht Reiner Speer, der ins Innenressort wechselt.
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Helmuth Markov ist einer von vier Ministern, die die Linkspartei im Kabinett von Matthias Platzeck stellt. Das gilt auch für das Wirtschaftsministerium: Hier übernimmt Ralf Christoffers das Ruder, der lange in der Wirtschaftspolitik aktiv ist. In Brandenburg regiert die dritte förmliche Koalition der SPD mit der Linken oder ihrer Vorgängerin PDS nach Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

Markov hingegen, der bis zuletzt nicht mal auf der Liste möglicher Finanzminister stand, betritt Neuland. Der graubärtige Mann war zuletzt zehn Jahre lang Europaabgeordneter. Im europäischen Parlament kam er lediglich im "nichtständigen Ausschuss zu den politischen Herausforderungen und Haushaltsmitteln der erweiterten Union 2007-2013" mit Finanzfragen in Berührung. Sein Hauptbetätigungsfeld war indes die Handelspolitik: Markov leitete zuletzt den Ausschusses für internationalen Handel (INTA).

Zu DDR-Zeiten lernte Markov zunächst Buchhändler, studierte dann in Kiew Ingenieurwesen und war anschließend im Lizenzhandel und in der Entwicklung elektrotechnischer Anlagen tätig. Nach der Wende war Markov schließlich zwölf Jahre Geschäftsführer der Eltese GmbH Stolpe, zeitweise auch der LE-W in Hennigsdorf. Zu Hause ist er in Bützow im Landkreis Oberhavel. 1990 trat das langjährige SED-Mitglied der PDS bei und saß für sie bis 1999 im Potsdamer Landtag. Hier engagierte er sich in der Wirtschafts- und Verkehrspolitik.

Fürs erste übernimmt der Vater von drei Kindern von Speer auch die Vizepräsidentschaft in der Tarifgemeinschaft der Länder. Ob die anderen Finanzminister jedoch ausgerechnet einen Vertreter der Linkspartei als Unterhändler der öffentlichen Arbeitgeber wollen, wird sich zeigen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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