Im Profil
Homburger: Spielmacherin der Liberalen

Kollegen bezeichnen sie als kompetent, engagiert und durchsetzungsfähig. Sich selbst sieht die Liberale Birgit Homburger als "Generalistin". Die 44-Jährige folgt Guido Westerwelle als Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bundestag - und wird schon jetzt als künftige Spielmacherin der Fraktion beschrieben.
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Unter den Kollegen im sich auflösenden Verteidigungsausschuss der vergangenen Legislaturperiode gilt sie als kompetent, engagiert und durchsetzungsfähig. Birgit Homburger (44), die gestern zur Nachfolgerin von Guido Westerwelle als Vorsitzende der FDP-Fraktion gewählt wurde, nennt als Berufsbezeichnung "Generalistin". Sie ist also eine politische Mehrzweckwaffe.

Im Ländle, ihrer Heimat Baden-Württemberg, weiß man das zu achten oder zu verachten. Der nun scheidende Landesvater Günther Oettinger griff in einer Stunde tiefer landespolitischer Not zum Wort "Pygmäenerektion", um einen von Birgit Homburger angezettelten Koalitionskrach - es ging um die Landesbank-Affäre - ganz unfromm nieder zu witzeln. Denn mit der FDP-Landeschefin hatte er einen durchaus widerspenstigen Widerpart gefunden, nachdem ihr Vorgänger als Landeschef, Walter Döring, ebenfalls wegen einer Affäre das Weite hatte suchen müssen.

Die studierte Verwaltungswissenschaftlerin wurde im April 1965 in Singen geboren. Wie es sich für eine Liberale aus Baden-Württemberg gehört, arbeitete sie zunächst in der mittelständischen Wirtschaft des Landes - im Personalwesen. Mit 23 Jahren war sie schon Landesvorsitzende der Jungen Liberalen, ab 1990 war sie für drei Jahre deren Bundeschefin. Seit 2004 steht sie an der Spitze der Südwest-FDP.

Es war fast ein Automatismus, dass sie mit 83 von 89 Stimmen nun den Fraktionsvorsitz des ins Außenamt entschwindenden Westerwelle zugesprochen erhielt. Seit 2002 ist sie Vize-Einpeitscherin hinter dem Bundesparteichef und seit 2005 zudem sicherheitspolitische Sprecherin der Liberalen. Was soll da nach einer solch erfolgreichen Ochsentour also noch groß schiefgehen können?

Tatsächlich wird Homburger, als der ersten Frau auf dem Fraktionshochsitz der FDP, auch hier so viel Streitbarkeit und nachfolgendes Durchsetzungsvermögen zuerkannt, dass die oft streng im grauen Kostüm und straffer Haltung auftretende Politikerin gerne als die künftige Spielmacherin der Fraktion beschrieben wird. Vielleicht spielt in solcherlei ehrlichem Lob auch der männliche Neid eine nicht geringe Rolle. Immerhin war die Katholikin aus Baden mal drauf und dran, die Karriere einer Profikickerin einzuschlagen.

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