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Martin Hellwig: Der Wachhund des Ministers

Martin Hellwig hält die ordnungspolitische Flagge hoch - der Vorsitzende des Lenkungsrats des Wirtschaftsfonds Deutschland traut sich, Rettungsanträge von Unternehmen auch gegen politischen Druck abzulehnen. Für Karl-Theodor zu Guttenberg ist der renommierte Wirtschaftsprofessor ein Glücksfall.

Auf Martin Hellwig kann sich der Bundeswirtschaftsminister verlassen. Unbeirrbar hält der renommierte Wirtschaftsprofessor die ordnungspolitische Flagge hoch - und traut sich, Rettungsanträge von angeschlagenen Unternehmen auch gegen politischen Druck abzulehnen. Wie jetzt im Fall von Arcandor. Hellwig, der Vorsitzender des Lenkungsrats des Wirtschaftsfonds Deutschland ist und damit einer der mächtigsten Männer für die Genehmigung von Hilfsanträgen, hat der Regierung in klarer Prosa von Staatshilfen für den Kaufhauskonzern abgeraten. Arcandor erfülle nicht die Voraussetzungen, um an Staatsgeld aus dem Rettungsfonds zu kommen, auch fehle ein tragfähiges Zukunftskonzept.

An dieser unmissverständlichen Empfehlung kam die Bundesregierung nicht vorbei. Der Lenkungsausschuss des Wirtschaftsfonds schloss sich gestern dem "Nein" des Wirtschaftsprofessors an. Für den Wirtschaftsminister ist Hellwig ein Glücksfall. Im Zweifel kann sich Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auf die Expertise des erfahrenen Ökonomen berufen, der bis 2008 die Bundesregierung als Vorsitzender der Monopolkommission beraten hat. Oft genug wurde der Wirtschaftsminister als "Abwrackminister" beschimpft, weil er im Fall Opel eine Insolvenz für die bessere Lösung hielt. Selbst Vize-Kanzler Frank-Walter Steinmeier griff den Wirtschaftsminister frontal an und versprach, dass die Sozialdemokraten den Menschen in den Betrieben keine Vorträge aus Lehrbüchern halten.

In einer politisch so aufgeladen Zeit, in der sich die Regierungsspitzen vornehmlich über die Zahl der geretteten Arbeitsplätze definieren, ist zu Guttenberg mehr denn je auf die nüchterne Analyse Hellwigs angewiesen. Hellwig entscheidet zwar nicht allein über die Rettungsanträge, in dem Gremium sitzen ehemalige Manager wie Hubertus Erlen (Schering), Unternehmer wie Jürgen Heraeus, Gewerkschafter Hubertus Schmoldt oder der ehemalige Industriepräsident Michael Rogowski. Doch Hellwig gibt den ordnungspolitischen Wachhund. "Der passt auf, dass es nach Opel keinen weiteren Sündenfall gibt", sagt ein Teilnehmer der Runde. Im Fall von Arcandor ist Hellwig seinem Anspruch gerecht geworden.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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