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Werner Ressing: Hartnäckig bis zur letzten Sekunde

Auch nach knapp 34 Dienstjahren kann sich Werner Ressing noch mächtig aufregen - etwa über Forderungen des Umweltressorts, die zu Belastungen für die Wirtschaft führen. Seit wenigen Tagen leitet Ressing die Abteilung Industriepolitik im Bundeswirtschaftsministerium.

Auch nach knapp 34 Dienstjahren im Bundeswirtschaftsministerium kann sich Werner Ressing noch mächtig aufregen - am ehesten über Forderungen des Umweltressorts, die zu Belastungen für die Wirtschaft führen. Seit wenigen Tagen leitet der 60-Jährige die Abteilung Industriepolitik im Wirtschaftsministerium (BMWI). Er übernimmt damit eine der zentralen Aufgaben im Haus von Minister Michael Glos (CSU).

Die Abteilung Industriepolitik ist in diesen Tagen erste Anlaufstelle für Unternehmen in Not, für Verbände und Branchenvertreter. Die Referate der Abteilung unterhalten enge Kontakte zu wichtigen Branchen und suchen nach Wegen, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise für die Unternehmen erträglich zu halten.

Der neue Leiter der Abteilung Industriepolitik sticht aus der Schar der Volkswirte und Juristen hervor, die im Wirtschaftsministerium traditionell die stärksten Fraktionen bilden. Ressing ist studierter Maschinenbauingenieur. In der ersten Ölkrise Anfang der 70-er Jahre erwachte sein Interesse an Energiethemen. Er studierte an der TU Berlin zusätzlich Energie- und Verfahrenstechnik.

Im April 1975 begann Ressing im Wirtschaftsministerium. Seitdem hat er dort elf Minister kennen gelernt. Die längste Zeit seiner bisherigen Beamtenlaufbahn widmete er sich den Themenkomplexen Energie- und Umwelt - zuletzt besonders intensiv im vergangenen Jahr. Minister Glos holte Ressing im Dezember 2007 von der Bonner Dependance des Ministeriums an die Spree, Ressing nahm in Sachen Klimaschutz den Kampf gegen das Umweltressort auf.

Bei der EU-Kommission und in ungezählten Treffen mit den Beamten des Umweltministeriums setzte er sich bis zur letzten Sekunde dafür ein, hohe zusätzliche Belastungen der energieintensiven Branchen durch den Emissionshandel zu vermeiden - mit großer Hartnäckigkeit und beachtlichem Erfolg. In den Unternehmen genießt er dafür hohes Ansehen. "Ressing war derjenige, der das Umweltministerium immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hat. Damit hat er das Schlimmste verhindert", sagt ein Insider.

Der Diplomingenieur handelt aus tiefster Überzeugung. Er leugnet keineswegs den Klimawandel, warnt jedoch davor, dem Wirtschaftsstandort Deutschland durch überzogene Klimaschutzbemühungen leichtfertig die industrielle Basis zu entziehen. Immer wieder weist er darauf hin, dass niemandem damit gedient ist, wenn industrielle Produktion aus Deutschland und Europa verschwindet - und in Ländern wieder auftaucht, in denen Klimaschutz gar keine Rolle spielt.

Auch nach gut einem Jahr in Berlin bleibt Ressing dem Rheinland treu. In der Hauptstadt hat er eine Zweitwohnung, Lebensmittelpunkt des Familienvaters bleibt jedoch Bonn.

Ressings Vorgänger Jürgen Meyer leitet seit dem 1. Februar die Abteilung Technologiepolitik.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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