Indianer Kanadas
Dieses Land ist unser Land

Die kanadischen Indianer sind auf dem Kriegspfad. Der Caledonia-Konflikt wirft ein Schlaglicht auf eine der großen ungelösten Fragen Kanadas – die Landansprüche der Ureinwohner.

CALEDONIA. Ruby Montour ist eine freundliche ältere Dame. Aber was zu viel ist, ist zu viel. „Das hier ist indianisches Land. Die Zeit, dass wir uns wehren, ist gekommen.“ Ruby Montour gehört zum Schildkrötenklan der Mohawk, und sie ist fest entschlossen, ihre Rechte zu verteidigen. In diesen Tagen ist sie ständig auf einem Baugelände am Rande der Sechs-Nationen-Reservation in Südwest-Ontario, das Indianer seit Ende Februar besetzt halten. Sie erheben Anspruch auf das Gebiet und wollen verhindern, dass dort Häuser für Bewohner der Nachbarstadt Caledonia gebaut werden. „Das ist mein Territorium“, sagt Montour. „Wir werden nicht weichen.“

Caledonia ist eine 10 000 Menschen zählende Stadt, etwa 100 Kilometer südwestlich von Toronto. Wie viele Städte in dieser Region wächst Caledonia ständig. Einkaufszentren und Siedlungen schieben sich näher und näher an die Reservation der „Six Nations of the Grand River“ heran, der Onondaga, Oneida, Mohawk, Seneca, Cayuga und Tuscarora.

Jetzt aber ruhen die Bauarbeiten auf einem Areal von 40 Hektar. „Das Gelände wurde nicht besetzt“, sagen die Indianer. „Wir haben einen Teil des Landes, das uns gehört, wieder in Besitz genommen.“

Seit den 70er-Jahren haben die Indianer in verschiedenen Regionen Kanadas mit Besetzungen und Blockaden ihren Forderungen Nachdruck verliehen. Die kanadische Regierung hat mittlerweile mit mehreren Urvölkern Vereinbarungen über Landrechte und Selbstverwaltung geschlossen. Aber immer noch sind Hunderte Gerichtsverfahren unterschiedlicher Größe anhängig. Es geht um Land, um Rechtssicherheit für Großinvestitionen und um viel Geld.

An der Stadtausfahrt von Caledonia, am Highway 6, haben Ruby Montour und ihre rund 300 Mitstreiter eine Straßensperre errichtet. Wer in die Reservation will, muss anhalten und sich ausfragen lassen. Auf dem Baugelände steht das Camp der Indianer. Argwöhnisch blicken sie auf Polizeifahrzeuge jenseits der Barrikade. Sie fürchten, dass die Polizei erneut versucht, das Gelände zu räumen.

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