Innovationen im Osten
Zu wenig Ausgaben für Forschung

85 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsausgaben entfallen auf die Großunternehmen in Deutschland. Diese gibt es im Osten allerdings kaum. Die Bundesregierung will nun dem Mittelstand nachhelfen.
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Es waren die "Leuchtturmprojekte", die den Osten voranbringen sollten. So wurde etwa Dresden mit Milliardenbeträgen zum Vorzeigestandort der Halbleiterindustrie aufgebaut. Der US-Hersteller Globalfoundries produziert dort im größten und modernsten Halbleiterwerk Europas.

Was fehlt, sind die Innovationen jenseits der "Leuchttürme". Zwar investieren in den neuen Ländern Staat und Hochschulen mit 295 Euro pro Einwohner mehr Geld in Forschung und Entwicklung als die öffentliche Hand im Westen. Doch die entsprechenden Ausgaben der Privatwirtschaft erreichen im Osten nur rund ein Drittel des Westniveaus.

Ein Problem ist, dass in Deutschland 85 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen der Wirtschaft auf Großunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern entfallen - die es in den neuen Ländern jedoch kaum gibt. Weil viele Mittelständler sich eine aufwendige Forschung jedoch nicht leisten können, will die Bundesregierung Innovationen in Ostdeutschland von 2013 bis 2019 mit 500 Millionen Euro unterstützen.

Die Berater von Roland Berger begrüßen diese Initiative, wünschen sich jedoch ein noch größeres staatliches Engagement. Als Vorbild empfehlen sie Bayern, wo Wirtschaft und Forschung in der Initiative "Offensive Zukunft Bayern" verzahnt worden seien. Binnen fünf Jahren sind rund 2,9 Milliarden Euro in eine Agentur für Wissenstransfer, neue Gründerzentren oder eine Gesellschaft zur Exportförderung investiert worden.

Im Vergleich dazu greife die Förderung für den Innovationsstandort Ostdeutschland zeitlich und finanziell zu kurz, heißt es in der Roland-Berger-Studie. Die Berater empfehlen, langfristig Innovationen zu fördern, die die gesamte Wertschöpfungskette umfassen. Firmen, Hochschulen und andere Forschungseinrichtungen sollen zusammenarbeiten und Synergien schöpfen. In Berlin etwa ist mit dem Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof ein Vorzeigestandort entstanden, an dem genau das passiert: Wissenschaft und Wirtschaft arbeiten dort intensiv zusammen. Entstanden sind eine Reihe forschungsstarker Unternehmen im Mittelstand. Einer der Schwerpunkte in Adlershof ist die Photovoltaik, aber auch Photonik und Optik spielen eine große Rolle.

Ausdrücklich setzt sich Roland Berger für die Einbindung westdeutscher Partner ein, die Koordination müsse jedoch im Osten liegen. "Closed shops" sollen nicht entstehen, die Projekte müssten offen für weitere Interessenten sein.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " Innovationen im Osten: Zu wenig Ausgaben für Forschung"

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  • Unsere Regierung weigert sich ja Deutschland nach vorn zu bringen. Sie ist nur interessiert am Ausland. Pleite sind wir nur, wenn es für Deutschland gilt. Hr. Westerwelle verschenkte eben mal wieder Millionen.

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