Internet-Kriminalität
BKA-Chef fordet gesetzliche Pflicht zur Datenspeicherung

Die Kriminalität im Netz steigt rapide, doch die meisten Straftaten bleiben unaufgeklärt. Der Chef des Bundeskriminalamts Ziercke macht dafür vor allem den Wegfall der Vorratsdatenspeicherung verantwortlich.
  • 1

DüsseldorfDurch den Wegfall der Vorratsdatenspeicherung entstehen dem Bundeskriminalamt (BKA) zunehmend Ermittlungslücken: In rund 85 Prozent der Fälle verlaufen die Internet-Ermittlungen des BKA im Sand. „Solange es keine gesetzliche Speicherpflicht gibt, ist es dem Zufall überlassen, ob ein Provider die notwendigen Daten vorhält,“ sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke im Interview mit dem Handelsblatt. Laut Ziercke explodiert währenddessen die Internet-Kriminalität: Hat das BKA 2009 noch rund 10.000 Fälle von Wirtschaftskriminalität registriert, die mittels Internet begangen wurden, waren es 2010 neuesten BKA-Erhebungen zufolge schon rund 30.000.

Ziercke kritisiert, die Gegner der Vorratsspeicherung argumentierten unlauter, wenn sie mit Verweis auf die Kriminalitätsstatistik behaupteten, die anlassunabhängige Speicherung von Internet-Verbindungsdaten erhöhte die Aufklärungsquote nicht. Allein 40 Prozent der erfassten Straftaten seien Delikte wie einfacher oder schwerer Diesbstahl, bei denen sowieso kein Zugriff auf Vorratsdaten infrage komme. Mit Verweis auf neueste interne Daten bezifferte Ziercke den gesamtwirtschaftlichen Schaden durch Wirtschaftskriminalität im Jahr 2010 auf mehr als 4,5 Milliarden Euro. Hinzu komme ein großes Dunkelfeld, da die Unternehmen den Gang zur Polizei scheuten. „Kein Unternehmen hat ein Interesse daran, seine mitunter hohe Anfälligkeit für Straftaten bekannt zu machen.“

Kommentare zu " Internet-Kriminalität: BKA-Chef fordet gesetzliche Pflicht zur Datenspeicherung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • So, so, die Wirtschaftskriminalität im Internet ist es jetzt also, die die Vorratsdatenspeicherung erforderlich machen soll. Was genau wird denn da verbrochen und lässt sich das denn nicht einfach durch bessere Vorsichtsmaßnahmen absichern?
    Offensichtlich sind also vor allem Unternehmen mit hoher Anfälligkeit für Straftaten betroffen. Das soll es rechtfertigen, die ganze Gesellschaft unter Generalverdacht zu stellen und zu überwachen, nachdem Kinderpornografie und Terrorismus sich als zu 'dünn' dafür erwiesen haben. Also um Unternehmen die Anstrengung zu ersparen, ihre 'Anfälligkeit' für Wirtschaftsdelikte selbst durch Sicherungsmaßnahmen zu verringern sollen jetzt Bürgerrechte geopfert werden?

    In was für einem Staat leben wir eigentlich? Was für ein Bewußtsein haben Beamte, die derartiges fordern?
    Schluss jetzt mit den immer neuen Hintertürchen, mit denen man den Überwachungsstaat zu implantieren versucht.
    Wir brauchen diese Vorratsdatenspeicherung nicht!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%