Interview
Empörung über Sinns Juden-Vergleich – das Interview

Mit einem Vergleich zwischen der Judenverfolgung und der aktuellen Managerkritik hat der Ökonom Hans-Werner Sinn in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" für heftigen Wirbel gesorgt. Der Zentralrat der Juden sowie Politiker zeigten sich empört.

BERLIN. In der Diskussion um die Verursacher der weltweiten Finanzkrise nimmt Sinn die Wirtschaftsführer in Schutz. "In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken", sagte der Chef des Ifo-Instituts. In der Weltwirtschaftskrise von 1929 "hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager". Der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan J. Kramer, forderte Sinn auf, seine Aussagen "so schnell wie möglich ohne Wenn und Aber zurückzunehmen und sich zu entschuldigen". Der Vergleich sei "empörend, absurd und absolut deplatziert, eine Beleidigung der Opfer", sagte Kramer der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung". Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen - Bundestagsfraktion, Volker Beck, sprach von einer "beispiellosen Geschmacklosigkeit". Er forderte Sinn auf, seine Äußerung zurückzunehmen. Das ganze Interview mit Sinn:

Tagesspiegel: Herr Sinn, Sie gehören zu denen, die für die Finanzkrise verantwortlich sind.

Sinn: Ist das so? Wer sagt das?

Die Wochenzeitung "Die Zeit" zählt sie zu den "Neunmalklugen", die stets das Mantra des unbeschränkten Marktes gepredigt haben - der nun vor dem Kollaps gerettet werden muss.

Der Bildtexter der "Zeit" hatte einen Blackout. Ich finde es ehrenvoll, dass die Zeitung mich gleich neben Bundespräsident Köhler genannt hat, fühle mich aber wie er nicht angesprochen. Seit Jahren verlange ich in einer Vielzahl von Publikationen eine strengere Regulierung der Banken. Schon 2003 habe ich ein Buch dazu veröffentlicht, das von liberalen Bankökonomen heftig kritisiert wurde. Ich habe gewarnt, dass es einen internationalen Wettlauf der Staaten um die laschesten Gesetze gibt. Und dass die Banken zu riskante Geschäfte eingehen. Auch Bundespräsident Köhler fordert seit langem eine schärfere Regulierung der Banken.

Die meisten Ihrer Professoren-Kollegen haben einen Rückzug des Staates empfohlen. War das ein Fehler?

Einige haben auf Deregulierung gesetzt. Niemand wollte die staatliche Regulierung völlig abschaffen - das gerät in der Debatte derzeit durcheinander. Auch die liberalen Ökonomen haben immer gesagt, dass es um einen funktionierenden Staat geht, der dem Markt die Regeln vorgibt. Wie beim Fußball: Damit das Spiel läuft, braucht es einen Schiedsrichter - ohne ihn würden die Spieler mit den Fäusten aufeinander losgehen. Mit diesem Ordoliberalismus, den Leute wie Walter Eucken oder Ludwig Erhard geprägt haben, sind wir bislang gut gefahren. Liberale Ökonomen wollen nur nicht wie manche linke Ideologen, dass der Schiedsrichter selbst mitspielt und für die unterlegene Mannschaft Tore schießt.

Seite 1:

Empörung über Sinns Juden-Vergleich – das Interview

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%