Interview mit Michael Rogowski
„Wir brauchen jetzt Hartz V bis VIII“

Der zum Jahresende ausscheidende Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, hat im Gespräch mit dem Handelsblatt weitere Reformen auf dem Arbeitsmarkt gefordert:

Sie verabschieden sich mit einem Buch von Ihrem Amt als BDI-Präsident. Ihr Vorgänger Hans-Olaf Henkel hat das vor vier Jahren genauso gemacht. Eifern Sie seinem Vorbild nun nach?

Nein, eigentlich wollte ich gar kein Buch schreiben. Meine Frau hat mich davon überzeugt, es zu tun.

Warum sollen die Menschen denn Ihr Buch lesen?

Weil ich darin Dinge ausspreche, die viele Manager oder Politiker so nicht sagen würden.

Zum Beispiel?

Ich meine etwa, dass es mit den bisherigen Reformen auf dem Arbeitsmarkt noch nicht getan ist. Wir brauchen noch viel mehr Hartz. Mit Hartz IV bringen wir die Menschen dazu, sich aktiv um eine Stelle zu bemühen. Aber damit allein schaffen wir noch keine neuen Arbeitsplätze. Jetzt müssen die Schritte Hartz V bis VIII kommen.

Was wollen Sie damit bewirken?

Wir brauchen einen Niedriglohnsektor, längere und vor allem flexiblere Arbeitszeiten, weniger Kündigungsschutz und eine Umgestaltung der Mitbestimmung.

Gerade mit der letzten Forderung haben Sie bereits einen Riesenwirbel ausgelöst.

Ich wollte die Mitbestimmung schon vor anderthalb Jahren thematisieren. Damals hat es niemanden interessiert. Nun auf einmal ist durch die Frage eines Journalisten eine große Diskussion entstanden, die sehr wichtig ist.

Und alle haben auf Sie eingeprügelt. Selbst einige Ihrer Kollegen aus dem Managerlager sind Ihnen in den Rücken gefallen.

Das ist sehr bedauerlich. In internen Zirkeln bestätigen mir die meisten Unternehmer, wie richtig und wichtig es ist, sich mit dem Thema Mitbestimmung zu beschäftigen. Aber wenn es dann eine öffentliche Diskussion gibt, hat derjenige, der Farbe bekennt, nicht immer volle Rückendeckung.

Ist es ein Grundproblem deutscher Wirtschaftsführer, dass sie sich mit öffentlicher Kritik häufig zurückhalten?

Ja. Intern äußern sich viele Unternehmer auch kritisch. Aber nur wenige wollen mit ihrer Meinung in die Öffentlichkeit. Das ist traditionell Rolle und Aufgabe des BDI-Präsidenten.

Die Fragen stellte Christoph Moss.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%