Interview zum Nahost-Konflikt
„Hamas braucht eine manipulierbare Bevölkerung”

Michael Szentei-Heise ist Geschäftsführer einer der größten jüdischen Gemeinden in Deutschland. Im Interview mit Handelsblatt Online spricht er über den Gaza-Konflikt und die Sorgen der hierzulande lebenden Juden.

DüsseldorfMichael Szentei-Heise ist seit 28 Jahren Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Mit rund 7000 Mitgliedern ist sie die drittgrößte Deutschlands. Szentei-Heise wurde 1954 in Ungarn geboren und wuchs in Budapest auf. Seit 1965 lebt er in Düsseldorf.

Herr Szentei-Heise, Sie verfolgen den Konflikt im nahen Osten seit mehreren Jahrzehnten. Warum gelingt es nicht, die Region zu befrieden?
Es gibt Scharfmacher auf beiden Seiten. Allerdings haben die auf der palästinensischen Seite wesentlich mehr Einfluss. Die meisten Menschen dort sind kaum gebildet, deshalb können Ideologen bei ihnen mehr erreichen, als bei der gebildeten israelischen Bevölkerung.

Wie meinen Sie das?
Die Bevölkerung wird von den Machthabern dumm gehalten. Das Kalkül ist, die Menschen als Manövriermasse zu benutzen. Die Hamas braucht eine manipulierbare Bevölkerung des Gazastreifens, um politischen Druck ausüben zu können. Die Palästinenser haben keinen Zugang zu Internet oder anderen Informationsquellen. Deshalb blenden sie völlig aus, dass für Frieden auch der Raketenbeschuss aus Gaza aufhören muss.

Israel ist in der Nacht zu Donnerstag erneut in den Gazastreifen einmarschiert. Wie bewerten Sie die Offensive?
Es ist eine Katastrophe an sich, dass es auf beiden Seiten wieder Opfer geben wird. Aber in Israel wird vehement gefordert, die militärische Infrastruktur der Hamas zu zerstören. Diesem Druck musste die Regierung jetzt nachgeben.

Wie kommt der Druck zustande?
Seit zehn Tagen wurden auf die Menschen im Süden Israels weit über 1000 Raketen abgefeuert. Es gab einen Todesfall. Der Alarm geht alle halbe Stunde, dann haben die Menschen meist nur 20 Sekunden, um in den Schutzraum zu kommen. Wenn aus den Niederlanden permanent Raketen auf Goch und Emmerich abgefeuert würden, geriete die Bundesregierung auch unter Druck, etwas dagegen zu tun.

Was soll der Einmarsch denn konkret bringen?
Er soll dafür sorgen, dass für einige Jahre wieder relative Ruhe herrscht. Ich glaube nicht, dass Israel die Hamas zerschlagen will. Alles, was danach käme, ginge ideologisch in Richtung ISIS und Al-Kaida. Da ist die Hamas als Ordnungsmacht immer noch besser.

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„Hamas braucht eine manipulierbare Bevölkerung”

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„Leiden aus Kalkül ist fatal”

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