IS-Prozess in Frankfurt
„Du bist jung, dumm und naiv“

Der in Deutschland geborene Kreshnik B. soll in Syrien für die Terror-Miliz Islamischer Staat gekämpft haben. Nun muss er sich vor Gericht verantworten. Ist er nur ein Mitläufer – oder ein Straftäter?
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FrankfurtZum ersten Mal steht in Deutschland ein Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat vor Gericht. Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main verhandelt seit Montag gegen einen 20-Jährigen, der laut Anklage 2013 in Syrien in den „Heiligen Krieg“ zog.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem in Bad Homburg geborenen Deutschen mit Wurzeln im Kosovo vor, Mitglied einer ausländischen terroristischen Vereinigung gewesen zu sein und in Syrien eine schwere staatsgefährdende Straftat vorbereitet zu haben. Er wurde im Dezember 2013 am Frankfurter Flughafen festgenommen.

Der Vorsitzende Richter stellte in Aussicht, „Milde walten zu lassen“, wenn Kreshnik B. gesteht und aussagt. Dann könnte er nach Jugendstrafrecht zu einer Haftstrafe zwischen drei Jahren und drei Monaten und vier Jahren und drei Monaten verurteilt werden.

Am ersten Prozesstag äußerte sich der Angeklagte noch nicht. Sein Anwalt kündigte eine Erklärung für den nächsten Prozesstag am Freitag an. Dann soll laut Gericht auch ein Sachverständiger zur Terrormiliz Islamischer Staat gehört werden.

Am Montag wurden nach Verlesung der Anklageschrift lediglich die Mitschnitte zweier Telefongespräche vorgespielt. In ihnen erschien Kreshnik B. als Mitläufer. „Du bist jung, dumm und naiv“, sagte seine Schwester in dem Telefonat.

Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass sich Kreshnik B. 2011 verstärkt dem Islam zugewandt hat. Im Juli 2013 sei er mit Gleichgesinnten über Istanbul in die syrische Provinz Aleppo gereist. Dort soll er sich eine Waffe besorgt und eine Waffenausbildung durchlaufen haben. Er soll Sanitäts- und Wachdienste geleistet haben, an Anwerbeaktionen beteiligt gewesen sein und bei mehrtägigen Kampfeinsätzen mitgemacht haben.

Ziel der Vereinigung „Islamischer Staat im Irak und Großsyrien“ sei es, das Assad-Regime zu stürzen und „einen islamischen Gottesstaat unter Geltung der Scharia“ aufzubauen, sagte der Vertreter der Bundesanwaltschaft. Die Mittel dazu seien Attentate, Entführungen, Erschießungen, Mord.

Die Zahl der Ausreisen junger Menschen in das Bürgerkriegsland Syrien steigt. Mehr als 400 haben die Verfassungsschützer seit dem Ausbruch des Konflikts 2011 gezählt. Etwa 100 Fanatiker seien inzwischen wieder in Deutschland, Kampferfahrung haben etwa 25 von ihnen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " IS-Prozess in Frankfurt: „Du bist jung, dumm und naiv“"

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  • @ Torsten Steinberg "..dem in Bad Homburg geborenen Deutschen".

    Ja und? Sie wissen genau, daß jeder der in D einen deutschen Paß bekommt von Medien & Politik politisch korrekt als Deutscher bezeichnet wird. Über den rechtlichen Status dieses „Kämpfers“ sagt das nichts aus. Denn als hier geborener kann er verschiedene Optionen wahrnehmen.

    „Das religionsstiftende Buch des Islam,..“

    Darüber sollten Sie sich einmal mit Prof. em. Dr. Bassam Tibi unterhalten, der genau das in der Kairoer Uni versuchte und dann um sein Leben fürchtete, weil ihm zu dieser Diskussion enorm viel Beifall und Zustimmung zuteil wurde. Der Tenor des Islam ist, daß sie sich für die einzigen wahren Gläubigen des einzig wahren Glaubens halten und sie zudem dadurch allen anderen Menschen überlegen sind. Ein Imam in Berlin beantwortete die Frage nach dem Zusammenleben mit anderen Menschen so: „Es gibt Muslime und andere Menschen“ und da Sie sich im Islam so gut auskennen, wissen Sie auch, welchen Status diese „anderen Menschen“ im Islam haben, den des zweit- und drittklassigen.

    „Da stimmt doch etwas nicht.“

    Mich überrascht es keineswegs. Der Anteil der Analphabeten ist in islam. Ländern in Bezug zur Gesamtbevölkerung hoch, in Teilen > 50% unter Frauen noch mehr. Derartig ungebildete Menschen lassen sich von Imamen und wer sonst noch Interesse daran hat, sehr leicht manipulieren und zu Haß und Gewalt, gegen wen auch immer, aufstacheln. Siehe deren Reaktionen zu den Karikaturen aus Dänemark. So kommt es auch, daß ein Teil dieser „Gläubigen“ kulturelle Denkmäler aus Glaubensgründen zerstört, weil es im Islam verboten ist Götzen anzubeten. Selbst dann, wenn es sich um heilige Stätten anderer Richtungen des Islam handelt. Zu derart begrenzt denkenden Menschen gehört dieser „Kämpfer“, wir sollten uns sehr schnell von ihm und seinesgleichen für immer trennen.

    „..der diese Gewalt gutheißt.“

    Sehr schön, ich sehe auf die „offiziellen“ Vertreter des politischen Islam in D, da gibt es nur beredtes Schweige

  • Erstens steht im zweiten Absatz, erster Satz: "...dem in Bad Homburg geborenen Deutschen".

    Zweitens dürfen Sie davon ausgehen, dass ich mich im Islam besser auskenne, als Sie denken.

    Drittens ist der Islam als ein einziges, monolithisches Dogma schlicht nicht existent. Das religionsstiftende Buch des Islam, der Koran, bedarf der Auslegung, des tafsir, und von dem, ich nehme hier besonders gerne das Wort wahrhaftig in den Mund, gibt es mehr als einen. Auch unter den Moslems gibt es solche, die sich wünschen würden, dass ihre Auffassung von Islam die einzig richtige und alle anderen falsch sind. Ein Teil des Streits rührt von daher. Ganz bestimmt aber ist es nicht das Recht ausgerechnet von uns "Ungläubigen", dass wir den Streit dadurch entscheiden, indem wir die allerübelste, übrigens in der islamischen Theologie durch nichts gedeckte Auslegung, herausgreifen und als die allein gültige festlegen, um auf dieser Grundlage den Islam insgesamt in Bausch und Bogen zu verdammen.

    Viertens leben wir in Deutschland nach islamischer Terminologie zwar tatsächlich im Darü l-harb, also dem Haus des Krieges, aber warum sind Sie dann nicht überrascht, dass es ausgerechnet die Länder des Darü l-sulh, also die islamischen Länder des Friedens sind, die in Krieg und Terror versinken. Da stimmt doch etwas nicht.

    Fünftens halte ich es nicht für naiv, sondern durchaus für realistisch, anzunehmen, eben weil es unter den Millionen von Moslems genau wie es unter Christen auch den einen, überall gleichen Zugang zu Religion nicht gibt, nur die allerwenigsten sich mit der Gewalt in Syrien, im Irak, in Libyen in Ägypten etc. identifizieren können, sondern dass die Mehrheit diese Taten genauso verabscheuenswürdig hält wie Sie und ich das tun. Unter meinen Bekannten, Christen und Moslems, um nur einige zu nennen, findet sich jedenfalls keiner, der diese Gewalt gutheißt.

  • @ Torsten Steinberg „...ist in Deutschland geboren. Wie sollte er kein Deutscher sein?“

    Er ist, wenn überhaupt, deutscher Staatsbürger. Deutscher kann er nicht sein, weil er keine deutsche Abstammung hat.

    „Aufgrund seiner Religion mag er noch andere Bindungen haben....“

    Hat er, die Umma steht über jeder staatlichen Autorität. Staatliche Autorität wird nur anerkannt, wenn sie die Sharia als Fundament hat. Als gläubiger Muslim lebt er in D im „Haus des Krieges“.

    „....in durchaus nachvollziehbarer Verzweiflung nach Syrien gegangen,...“

    So, war er das? Sie sollten sich mit dem Wesen des Islam und dessen Gläubigen befassen. Muslim ist man durch Geburt und nicht durch freie Entscheidung zum Glauben. Wo immer auf der Welt Muslime andere Menschen vom Leben zum Tod befördern, tun sie dies im Namen ihres nichts verzeihenden sondern ewig strafenden Gottes. Mit der Beseitigung von, in deren Augen, unwerten Lebens, erarbeiten sie sich das Wohlgefallen dieses Gottes.

    „Vor Gericht steht er wegen Beteiligung an einem staatsgefährdenden IS-Terror,...“

    Richtig, und hat sich damit gegen die Grundwerte des Staates entschieden, dessen Staatbürgerschaft er vermutlich innehat. Aus dem Artikel geht nicht hervor welchen Status er besitzt.

    Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, finde Ihre Auffassung allerdings reichlich naiv.

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