IT-Projekte
38 Bewerber wollen Spitze sein

Berlin schickt einen Health-Care-Plan ins Rennen, Hamburg pusht die Luftfahrt, Bayern und Baden-Württemberg bewerben sich gar mit 15 Projekten. Insgesamt 38 Kooperationen von Unternehmen und Wissenschaft aus allen Bundesländern nehmen am neuen mit 600 Mill. Euro dotierten Wettbewerb „Spitzencluster“ des Bundesforschungsministerium teil. Die meisten davon stammen aus dem IT-Bereich .

BERLIN. „Der Wettbewerb hat eine große Dynamik ausgelöst. Das habe ich in vielen Gesprächen der letzten Wochen erfahren, das zeigen auch die Bewerbungen“, sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) dem Handelsblatt.

Der Spitzencluster-Wettbewerb soll Forscher und Anwender in der Wirtschaft zu einer engeren Zusammenarbeit bewegen. Schon im Wörterbuch der Gebrüder Grimm bezeichnete „Kluster“ das, „was dicht und dick zusammensitzet“. Der moderne, aus dem Englischen stammende Begriff Cluster meint die Ballung diverser Akteure, die den ganzen Prozess von der Idee bis zum neuen Produkt realisieren können – und so am Ende Wachstum schaffen.

Hier kann Deutschland nach Ansicht vieler Experten noch deutlich zulegen. „Wissenschaft und Wirtschaft bündeln ihre Kräfte. Davon profitieren alle“, sagte Schavan. „Die besten Strategien werden wir fördern, damit sie international spitze werden.“

„Die Auswahl wird aber sehr schwer, weil es sehr unterschiedliche Projekte sind“, sagte Arend Oetker, Vorsitzender der von Schavan gegründeten „Forschungsunion“, in der die Idee des Wettbewerbs geboren wurde, dem Handelsblatt. „Mir persönlich ist sehr wichtig, dass dabei nicht nur etablierte Branchen wie Verkehr oder Energie zum Zuge kommen, sondern auch junge Verbünde mit hohem Potential, die erst am Anfang stehen“, fügte der BDI-Vize hinzu. „Das würde auch ostdeutschen Clustern eine Chance geben“. Aus den neuen Ländern haben sich sieben Cluster beworben. Die Jury leitet der Vorsitzende der Technik-Akademie Acatech, Joachim Milberg.

Das Luftfahrt-Cluster, mit dem Hamburg ins Rennen geht, ist ein Zusammenschluss von Airbus, der Lufthansa Technik und des Airports Hamburg mit Mittelständlern, die ein „Kompetenzzentrums für neues Fliegen“ aufbauen wollen. „Dieses soll etwa neue Materialien für die Außenhaut von Flugzeugen aus Kohlefaserstoffen in Verbindung mit Titan entwickeln, oder auch eine Brennstoffzelle, die Flugzeuge am Boden einsetzen können“, sagte Wirtschafts-Staatsrat Gunther Bonz. Alle Projekte zusammen haben ein Volumen von 450 Millionen Euro.

Bescheidener ist das Life Science Cluster Norddeutschland – ein Zusammenschluss von 200 Akteuren unter dem Motto „Medizintechnik trifft Biopharma“. Philips will zum Beispiel mit einer Pharmafirma ein Verfahren entwickeln, um Alzheimer-Symptome im Körper frühzeitig sichtbar zu machen. Insgesamt haben sich acht Projekte aus dem Gesundheitsbereich beworben. Dazu gehört auch das Health-Care Projekt aus Berlin/Brandenburg, das vor allem auf Pflege und Prävention setzt.

Mehr Anträge kommen nur aus dem Feld der Information- und Kommunikation. Hier reicht das Spektrum von der hessischen SAP-Initiative „Software für kollaborative Unternehmensnetzwerke“ über die „iRegion Karlsruhe“ der dortigen Elite-Uni und diverser Mittelständler bis hin zu Projekten zur IT-Sicherheit in Bochum und Braunschweig.

Aussicht auf die Millionen des Bundes haben aber nur solche Projekte, die bereits eine „tragfähige Struktur“ vorweisen können, Baukosten werden nicht finanziert. Generell gilt, dass die Partner vor Ort „in erheblichem Umfang eigene Mittel einsetzen“ beziehungsweise von Dritten mobilisieren – vor allem von den Ländern oder Wagniskapitalgesellschaften. Den beteiligten Unternehmen werden maximal die Hälfte der Kosten erstattet, Forschungseinrichtungen können auf eine 100-Prozent-Förderung hoffen.

Der Spitzencluster-Wettbewerb ist nach dem Vorbild der Exzellenzinitiative für die Hochschulen entstanden, die Bund und Länder mit 1,9 Mrd. Euro dotiert haben. Das meiste Geld fließt an die insgesamt neun Elite-Unis. Daneben fördert jedoch auch die Exzellenzini knapp 40 Cluster mit je 6,5 Mill. Euro. Darin kooperieren vor allem Forscher von Unis mit solchen an anderen Instituten, wie etwa der Max-Planck-Gesellschaft. Aus dem Lager der Hochschulen kam auch bereits Kritik, dass es mittlerweile zu viele Wettbewerbe gebe. Anfangs bestand jedoch die Hoffnung, dass bei den Clustern der Exzellenzinitiative auch viele Unternehmen einsteigen würden. Am Ende „war die Beteiligung der Wirtschaft jedoch enttäuschend gering“, räumt BDI-Vize Oetker ein.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
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