Jahresbericht des Wehrbeauftragten
Kosename „Tussi“ oder Worüber Soldaten klagen

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe, hat ein Jahr nach seiner Amtsübernahme seinen ersten Jahresbericht vorgelegt. Der Bericht listet auch Schikanen von Vorgesetzen gegen Untergebene und anderes Fehlverhalten.
  • Bei der Fertigung von Passfotos sagte ein Hauptfeldwebel sinngemäß zu einem Hauptgefreiten: „Wenn eine Sache genetisch versaut ist, kriegt man es mit Prügel auch nicht mehr hin.“ Der Hauptfeldwebel wurde zu einer Arreststrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

  • Ein Oberfeldwebel titulierte ihm unterstellte Soldaten mehrfach als „Tussi“, „Püppi“, „Lady“, „Schatzi“ oder „Sack“. Die verbalen Entgleisungen trugen dem Unteroffizier ein Beförderungsverbot ein.

  • Ein anderer Oberfeldwebel zu einem Hauptgefreiten: „Hör auf zu grinsen, sonst trete ich's Dir aus der Fresse.“ Dafür bekam er einen Verweis.

  • Ein Dezernatsleiter im Range eines Oberstleutnants sagte nach der Information, ein ihm unterstellter Hauptmann habe einen Herzinfarkt erlitten: „Dann stellen wir sein Bett hier rein, und dann macht er Dienst von hier.“ Der hohe Offizier büßte mit einem Beförderungsverbot.

  • Zwei Gruppenführer befahlen einem Rekruten, einem Kühlschrank, dem sie den Namen „Olaf“ gegeben hatten, Meldung zu machen. Bei einer Kaffeemaschine namens „Heraldine“ sollte er sich abmelden. Der Wehrbeauftagte beklagt, mit solchem Vorgehen würden Menschen tief verletzt. Für die Gruppenführer gab es mehrmonatige Beförderungsverbote.

  • Ein Stabsgefreiter und fünf Hauptgefreite zerrten einen Obergefreiten zu Boden und fesselten ihn. Anschließend schlugen sie und weitere sechs Soldaten ihrem Kameraden mit einem Esslöffel auf die Hoden. Gegen die Täter wurden Disziplinarmaßnahmen verhängt. Einige von ihnen wurden vorzeitig aus der Bundeswehr entlassen.

  • Zu den Fällen von Rechtsextremismus zählt folgende Begebenheit: An einer Bundeswehr-Universität bezeichnete ein Leutnant einen in Afrika geborenen Fahnenjunker (Offiziersanwärter) wiederholt als Neger. Bei einer Begegnung sagte der Leutnant in Anwesenheit einer Begleiterin zu dem Fahnenjunker: „Ich habe Dir doch gesagt, dass Du keine weiße Frau anfassen sollst.“ Gegen den Leutnant wurde eine Disziplinarbuße verhängt. Der Wehrbeauftragten bezweifelt jedoch grundsätzlich, dass der Leutnant als Offizier geeignet ist.
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%