Kanzler will Frau im höchsten Staatsamt
Rau-Nachfolge: Schäuble hat die meisten Chancen

Unionsfraktionsvize Wolfgang Schäuble ist nach einem Pressebericht bereit, zur Wahl des Bundespräsidenten im Mai 2004 anzutreten. Auch die CSU und Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker sollen ihn unterstützen.

HB BERLIN. Schäuble habe in den vergangenen Wochen bereits mehrfach vor Vertrauten in der Unionsfraktion des Bundestags erklärt, er stehe bereit, schrieb das Blatt. Unterstützung habe der frühere CDU-Vorsitzende auch in der CSU erfahren.

Die Zeitung zitierte ein CSU-Präsidiumsmitglied mit den Worten: „An Wolfgang Schäuble als Kandidat kommt die Union nicht vorbei.“ Auch Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker plädiere intern für Schäuble.

CSU-Landesgruppenchef Michael Glos soll Schäuble dem Bericht zufolge bereits offiziell als Ehrengast zur nächsten Klausurtagung der Landesgruppe nach Wildbad Kreuth eingeladen. Dennoch wolle CDU-Chefin Angela Merkel am Abend nach der bayerischen Landtagswahl am 21. September CSU-Chef Edmund Stoiber fragen, ob er Bundespräsident werden wolle. In der Union werde dem ehemaligen Kanzlerkandidaten ein Vorgriffsrecht eingeräumt.

Kanzler Schröder plädierte erneut für eine Bundespräsidentin. Eine Debatte über konkrete Kandidaten lehnte er allerdings ab. Auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sprach sich für eine Frau als Nachfolgerin für Johannes Rau aus, sagte er der Nachrichenagentur AP. Er selbst werde sich aber nicht an Personalspekulationen beteiligen, „denn ich bin derjenige, der kraft Amtes den neuen Bundespräsidenten vereidigen muss und dann auch lobende und ermutigende Worte für ihn finden muss“.

FDP als Zünglein an der Waage

FDP-Chef Guido Westerwelle kündigte in der „Welt am Sonntag“ an, dass er nach der bayerischen Landtagswahl das Gespräch mit den anderen Parteivorsitzenden suchen werde. Einen Vorschlag wolle seine Partei nach einer Klausurtagung Anfang Dezember unterbreiten. Für die Rau-Nachfolge seien „nicht die regionale Herkunft, das Geschlecht oder gar das Parteibuch“ entscheidend, sondern eine Persönlichkeit, die für Reformkraft stehe. Die FDP ist bei der Wahl des neuen Staatsoberhauptes das Zünglein an der Waage, da weder SPD und Grüne noch die Union über eine eigene Mehrheit in der Bundesversammlung verfügen.

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle schließt nicht aus, dass seine Partei bei der Wahl für das Bundespräsidentenamt einen SPD-Kandidaten unterstützt. Im NDR sagte er, die Entscheidung seiner Partei sei abhängig von der Person. „Es gibt keine Vorfestlegung.“ FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper plädierte in der Chemnitzer „Freien Presse“ für eine Verfassungsänderung, um das Staatsoberhaupt künftig vom Volk wählen lassen zu können.

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