Kapitalismuskritik
Vom Nutzen der Heuschrecken

Früher hießen die Eigentümer von deutschen Unternehmen des öfteren Flick oder Krupp oder Deutsche Bank. Heute stehen dahinter immer häufiger angelsächsische Firmen mit Kunstnamen, die kaum einer kennt: Apax zum Beispiel, Carlyle oder Pelmira.

HB BERLIN. Die deutsche Wirtschaft ist ins Visier von Finanz-Investoren aus Großbritannien und den USA geraten. Die Kritik von SPD-Chef Franz Müntefering an Firmenjägern, die aggressiv wie Heuschreckenschwärme auftreten, hat jetzt den Blick auf die Private-Equity-Branche gelenkt. Dabei kommt sie schlecht weg - nicht immer zu Recht.

Mehr als 30 Mrd. € haben ausländische Kapitalgeber allein in den vergangenen beiden Jahren für Beteiligungen in Deutschland ausgegeben. „Berücksichtigt man nur Einkäufe, bei denen mehr als 250 Mill. € bezahlt wurden, haben Private-Equity-Gesellschaften 32 Mal zugeschlagen“, heißt es dazu in einem internen Papier der SPD- Fraktion. Inzwischen besitzen sie hier zu Lande rund 5000 Firmen mit etwa 400 000 Beschäftigten. Darunter sind viele mittelständische Betriebe, aber auch bekannte Namen wie der Brillenhersteller Rodenstock, der Sanitärausstatter Grohe oder die Werkstatt-Kette ATU.

Möglich wurde dies vor allem durch die langsame Auflösung der „Deutschland AG“. Und immer noch trennen sich Konzerne von Geschäftsfeldern, stoßen Banken Beteiligungen ab, werden Staatsbetriebe privatisiert, suchen mittelständische Firmengründer ohne Erfolg nach Nachfolgern. Die Käufer kommen immer häufiger aus dem Bereich Private Equity - so genannt, weil ihr Geld nicht von der Börse, sondern aus privaten Einlagen stammt. Meist sind die Geldgeber Versicherungen, wohlhabende Privatleute oder große Pensionsfonds, denen die Finanz-Manager überdurchschnittliche Renditen versprechen.

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