Kartellamtspräsident Mundt
„Die Photovoltaik in Deutschland ist sehr ineffizient“

Kartellamtspräsident Andreas Mundt warnt vor einer übereilten Energiewende. Im Gespräch mit Handelsblatt-Redakteur Klaus Stratmann fordert er außerdem einen Systemwechsel bei der Förderung erneuerbarer Energien.
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Handelsblatt: Herr Mundt, ist die Energiewende Chance oder Gefahr für den Wettbewerb?

Andreas Mundt: Das Problem an der Energiewende ist das Tempo, mit dem sie vollzogen werden soll. An der Entscheidung für die Energiewende selbst ist wenig auszusetzen. Durch den Ausstieg aus der Kernenergie werden Kapazitäten frei, die von neuen Marktteilnehmern ersetzt werden können. Das sind positive Effekte. Doch die Geschwindigkeit wird uns noch Probleme bereiten, vor allem im Hinblick auf die Versorgungssicherheit.

Der Zusammenbruch der Stromversorgung ist bislang nicht eingetreten...

Man sollte sich nicht in Sicherheit wiegen. Die Zahl der Eingriffe der Netzbetreiber in die Kraftwerkserzeugung ist sehr stark angestiegen. Fachleute streiten darüber, wann wir es mit Knappheiten zu tun bekommen. Wenn man ganz ehrlich bilanziert, muss man einräumen, dass wir schon heute erhebliche Probleme haben, eine störungsfreie Stromversorgung sicherzustellen.

Woran machen Sie das fest?

Beispielsweise musste der Übertragungsnetzbetreiber Tennet am 8. und 9. Dezember vergangenen Jahres auf die Leistung von drei österreichischen Kraftwerken zurückgreifen, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Darunter war ein mit schwerem Heizöl befeuertes Kraftwerk. Obwohl wir mit einem bislang warmen Winter eine geringere Nachfrage und mit ordentlichen Erträgen bei der Windkraft sehr günstige Bedingungen haben, gibt es Tage, an denen es schwierig ist, die Versorgung aufrechtzuerhalten. Das macht deutlich, wo die wahren Probleme der Energiewende liegen.

Ist nicht gerade die Übergangszeit anfällig für Wettbewerbsverzerrungen? Die Knappheiten, die Sie gerade schildern, könnten einige Akteure ausnutzen, um die Preise nach oben zu treiben.

Das ist theoretisch möglich. Vieles deutet darauf hin, dass es in den nächsten Jahren häufiger zu Knappheiten kommen wird und dann alle verfügbaren Kraftwerke am Netz sein müssen. Die Gefahr, dass solche Situationen ausgenutzt werden, besteht grundsätzlich. Auf der anderen Seite werden die konventionellen Kraftwerke immer weniger Benutzungsstunden haben, weil sie oft durch den Strom aus erneuerbaren Energien verdrängt werden. In der restlichen Zeit brauchen sie dann vielleicht auch höhere Preise, um ihre Fixkosten zu verdienen. Und wir sind wegen der Volatilität der Erneuerbaren auf die Leistung dieser Kraftwerke angewiesen.

Die Bundesregierung will die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf 3,5 Cent je Kilowattstunde begrenzen. Wird ihr das gelingen?

Ich bin da sehr skeptisch. Es wäre dringend erforderlich, die erneuerbaren Energien an den Markt heranzuführen. Leider sind die bisherigen Bemühungen nicht gerade vielversprechend. Das mit der jüngsten Novelle des EEG eingeführte Marktprämienmodell hat zwar dazu geführt, dass sich sehr viele Akteure darum bemühen, den Strom selbst zu vermarkten. In der praktischen Handhabe verfehlt das Modell aber das Ziel fast völlig.

Warum?

Die Erzeuger gehen bei der Inanspruchnahme des Modells keinerlei Risiko ein. Wenn sie mit ihrem Versuch scheitern, den Strom einträglich zu verkaufen, können sie wieder auf die Förderung zurückgreifen. Das ist aus Sicht der Betreiber sehr schön. Tatsächlich treibt dieser Mechanismus die Kosten der Förderung erneuerbarer Energien weiter in die Höhe. Die Marktprämie hat zu starken Mitnahmeeffekten geführt und die Kosten für die Verbraucher weiter erhöht. Wenn man dann noch bedenkt, dass allein der Versuch, den Strom zu vermarkten, auf jeden Fall mit einer Managementprämie belohnt wird, ist das ein Ergebnis, das so niemand gewollt haben kann.

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  • Der Kartellamtspräsident sollte sich mit den Fakten auseinandersetzen, bevor Behauptungen in die Welt setzt, die offensichtlich aus den PR-Abteilungen der Energiekonzerne stammen.

    Ein gutes Papier liefert das Fraunhofer ISE, Freiburg:
    http://www.fraunhofer.de/content/dam/zv/de/forschungsthemen/energie/Photovoltaik-in-Deutschland_Missverstaendnisse-in-der-%C3%B6ffentlichen-Diskussion.pdf

  • Mundt wird sicher bald zum Energiekonzern rübermachen. Das kartellamt ist überflüssig und hatte noch nie Auswirkungen auf Benzinpreis- u. Strompreisabsprachen.
    Gut daß die PV schon in Kürze keine Subventionen mehr nötig haben. Die Industrie soll sich ihre subventionierten Billigstrompreise doch selbst subventionieren.

  • Wo haben wir noch Winter mit drei Monaten Schnee?

    Aber im Ernst. Welche Ausfallzeiten? Welche Wartungskosten meinen Sie? Ich kann das ganz gut vergleichen, kein Kraftwerk schneidet hier besser ab als eine PV-Anlage!
    Und in dem Maße, wie die Stromgestehungskosten weiter unter den Arbeitspreis sinken, wird es atraktiver, die Eigenproduktion immer besser auszunutzen (durch Stromspeicher). Diese sind zwar im Moment noch relativ teuer, aber was ein Massenmarkt an Preisdegressionen zur Folge haben kann, haben wir ja bei den Modulen erlebt.

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