Kieler Institut für Weltwirtschaft
Zuschüsse effektiver als Kombilohn

Befristete Lohnkostenzuschüsse für Unternehmen sind nach Berechnungen aus dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) das wirksamste Instrument, um Langzeitarbeitslosen den Weg in reguläre Beschäftigung zu ebnen.

BERLIN / DÜSSELDORF. Ein Förderprogramm von zwei Mrd. Euro könnte 400 000 Arbeitsplätze schaffen. Das hat das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) berechnet. Dagegen verspricht ein dauerhaft und flächendeckend angelegter Kombilohn bei gleichem Fördervolumen nur sehr geringe Beschäftigungserfolge.

Zu diesem Ergebnis kommt IfW-Chef Dennis Snower mit den Forschern Alessio Brown und Christian Merkl in einer neuen Arbeitsmarktstudie, die dem Handelsblatt vorliegt. Sie zielt auf die politische Debatte über eine Neuordnung des Niedriglohnsektors und könnte in den nächsten Tagen in die Beratungen der Koalition einfließen. Durch befristete Lohnkostenzuschüsse seien erhebliche Beschäftigungszuwächse realisierbar, „ohne die Unterstützungsleistungen für Arbeitslose zu reduzieren“, betonte Snower. Dies sei gerade unter dem Aspekt der politischen Durchsetzbarkeit bedeutsam.

Die Kieler Studie gibt damit dem umstrittenen Kombilohnmodell der CDU/CSU neuen Auftrieb. Dieses sieht vor, gering qualifizierte Langzeitarbeitslose für einen Zeitraum von drei Jahren mit Zuschüssen von bis zu 40 Prozent der Lohnkosten zu fördern. Die Union nimmt dabei gezielt Menschen unter 25 Jahren und über 50 Jahren in den Blick und kalkuliert mit einem Fördervolumen von bis zu 1,25 Mrd. Euro pro Jahr.

Diese Stoßrichtung ist mit Snowers Ansatz vergleichbar. Um Verwechslungen mit unbefristet und flächendeckend angelegten Arten von Kombilöhnen zu vermeiden, verwendet er aber den Begriff „Einstellungsgutschein“. Zu den zentralen Vorteilen einer befristeten Förderung gehöre, dass die Kosten für die öffentliche Hand kalkulierbar bleiben und zudem die Ungleichheit der Einkommensverteilung nicht verstärkt, sondern sogar verringert wird.

Der Ansatz der Union war bislang sowohl in der Wissenschaft als auch beim Koalitionspartner SPD skeptisch bewertet worden. Zwar spielt er in den Beratungen der von Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) geleiteten Koalitionsarbeitsgruppe nach wie vor eine Rolle. Ins Zentrum der politischen Aufmerksamkeit waren in jüngster Zeit aber andere Ansätze gerückt, darunter die Idee einer „negativen Einkommensteuer“, die im Kern auf eine dauerhafte, flächendeckende Lohnsubvention für Geringverdiener hinausläuft.

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