Kinderbetreuung
Kita verzweifelt gesucht

Damit Frauen früher in den Beruf zurück können, haben Eltern vom Sommer an einen Rechtsanspruch auf die Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Doch die Suche ist eine Tortur: Eine Mutter erzählt von der absurden Jagd.
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DüsseldorfGerade kam wieder eine Absage. Die dritte. Alle Nachfragen haben nichts genutzt. Jetzt bleiben für Tina Tischler (34) und ihre Tochter Marie (Name geändert) nur noch die städtischen Kitas. Diese Woche verteilt die Stadt Köln zwar ihre Plätze. „Doch die Chancen auf einen Betreuungsplatz für meine einjährige Tochter stehen schlecht“, sagt Tischler. Das habe man ihr beim Jugendamt gesagt. Denn Marie ist im August geboren.

Das bedeutet: Tischler konnte ihre Tochter erst im Hochsommer auf die Warteliste für einen Kita-Platz setzen. Doch das heißt auch: Die Januar-bis-Juli-Geborenen stehen schon drauf. Und da die städtischen Kita-Plätze auch nach auch nach Wartezeit vergeben werden, muss Tischler zittern. Täglich müssten die Zu- oder Absagen kommen.

Zu dritt wohnen die Tischlers in Köln Deutz. Tina Tischler hat vor allem in diesem Stadtteil nach Kitas gesucht, denn ab Spätsommer will sie wieder täglich zum Arbeiten nach Düsseldorf fahren. Ein Betreuungsplatz in einem anderen Stadtteil kommt für sie deshalb nicht in Frage, denn weder sie noch ihr Freund können vor dem Arbeiten noch durch halb Köln kurven, um Marie abzuliefern. Und so steigt der Druck noch weiter.

Denn theoretisch könnte das passieren. Zwar gibt es ab dem 1. August 2013 einen Rechtanspruch für die Betreuung der ab Einjährige in einer Kindertageseinrichtung (U3). Alternativ können Städte oder Kommunen eine Kindertagespflege anbieten, also den Platz bei einer Tagesmutter. Doch ob das dann in einer der gewünschten Einrichtung oder bei der erwählten Tagesmutter, oder gar im gewünschten Stadtteil stattfinden wird, ist noch völlig unklar.

Mit dem Kita-Ausbau will das Ministeriums für Bildung und Familie unter Ministerin Kristina Schröder die Kinderbetreuung verbessern. Damit will sie nicht nur Kinder besser fördern, sondern vor allem Frauen den Wiedereinstieg in den Beruf schneller ermöglichen.

Das Ministerium hatte den deutschlandweiten Platzbedarf durch eine Befragung genau bemessen, 2007 kam dabei die 35-Prozent-Quote heraus. Seitdem wurde diese Quote - nach erneuten Eltern-Interviews - nach oben angeglichen. Inzwischen liegt sie bei 39 Prozent.

Kommentare zu " Kinderbetreuung: Kita verzweifelt gesucht"

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  • Als mein "Krümel" klein war (heute 31) war es kein Problem ihn in eine Kindereinrichtung zu geben. Ganz im Gegenteil.

    Kindern gefällt es in solchen Einrichtungen. Es hat nichts mit "abliefern" zu tun, da hat man hier nicht den richtigen Begriff gewählt. Sie lernen in solchen Einrichtungen Sozialverhalten, sie musizieren, die treiben Sport, sie knüpfen Freundschaften und sie lernen ganz nebenbei wie man sich richtig aufs Töpfchen setzt. Erzähl mir einer, dass sie das bei Mama zu Hause auch können.

    Einzig der Deutsche Staat ist - mit Verlaub - viel zu dämlich, das zu erkennen.

    Es ist kein Wunder warum junge Leute keine Kinder mehr wollen. Kinder sind ein Armutsrisiko. Es gibt nur wenige Eltern die sich die teuren privaten Kitaplätze leisten können. Oder man hat eine Oma im Hintergrund. Aber die Omas sind meistens so jung, dass sie selber noch voll im Berufsleben stehen.

    Mittlerweile bin ich stolze Oma und meine Enkeltocher (1 Jahr) hat einen Platz bekommen. Gott sei Dank war meine Schwiegertochter clever genug, die Kleine kurz nach der Geburt für einen Kitaplatz anzumelden. Ein Glücksfall für mein Enkelmädchen wie ich finde. Toll ist, dass dort die Kinder zweisprachig betreut werden. Mal davon abgesehen wächst sie sowieso in einem bilingualen (D/EN) Haushalt auf.

    Wenn ein Kind in geordneten Verhältnissen aufwachsen soll, braucht es nicht nur ein privates Umfeld was es akzeptiert und lieb hat, es muss auch von der Gesellschaft akzeptiert werden. Mittlerweile werden Kinder in Deutschland klassifiziert:

    Kinder aus Migrantenfamilien sind Kinder 4.Klasse
    Kinder aus armen deutschen Familien sind Kinder 3. Klasse
    Kinder aus der Mittelschicht sind Kinder 2. Klasse
    Kinder aus reichen Familien sind Kinder 1. Klasse

    Die Klassifizierung zeigt sich dann durch weg auf dem Lebensweg der Kinder. Nur mal schlicht eine Milliarde Euro in die Kinder investiert, was glaubt man, wieviel Chancengleichheit man damit herstellen kann.

  • Sie sprechen mir aus der Seele

  • @Papa,
    als treusorgender Vater von ebenfalls zwei Kindern wäre ich nie auf die Idee gekommen, diese hilflosen Würmchen einer seelenlosen Betreuungsmaschinerie zu übergeben.

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