Kita-Ausbau
Betreuungsquote steigt, Experte warnt vor Qualitätsverlust

Schon jetzt steigt die Betreuungsquote in Deutschland kräftig. Dabei stehen dem Bund noch weitere 800 Millionen Euro für den Kita-Ausbau zur Verfügung. Kritiker warnen vor gleichzeitigem Qualitätsverlust.
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Berlin/WiesbadenDie Kommunen kommen beim Kita-Ausbau gut voran. Die Betreuungsquote für unter Dreijährige ist auf inzwischen 40,3 Prozent gestiegen, wie das Bundesfamilienministerium am Mittwoch unter Berufung auf aktuelle Zahlen aus den Ländern in Berlin bekanntgab. Über 800 Millionen Euro an Bundesmitteln für den Ausbau seien bislang noch gar nicht abgerufen.

Seit dem 1. August haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen öffentlich geförderten Betreuungsplatz für ihre ein- und zweijährigen Kinder. Laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden lag die Quote für Kleinkinder im März 2013 noch bei 29,3 Prozent und ist bis zum Sommer um 11 Prozentpunkte gestiegen. Die meisten Betreuungsplätze geschaffen haben demnach in den vergangenen Monaten Nordrhein-Westfalen und Hessen. Bundesweit stehen im laufenden Kita-Jahr 822.000 Plätze für Unterdreijährige zur Verfügung.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) betonte, der Ausbau müsse weitergehen. Noch stünden 808 Millionen Euro an Bundesmitteln zur Verfügung. Die CDU-Politikerin machte sich darüber hinaus für einheitliche Kita-Qualitätsstandards stark.

Der Deutsche Städtetag forderte, Bund und Länder müssten sich weiter finanziell engagieren. Hauptgeschäftsführer Stephan Articus sagte: „Die Nachfrage von Eltern nach Betreuung wächst nach wie vor, gerade in größeren und großen Städten.“ Der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Wolfgang Stadler, kritisierte, der Ausbau gehe vielerorts auf Kosten der Qualität. Diese dürfe jedoch nicht vernachlässigt werden.

In Umfragen wurde ermittelt, dass im bundesweiten Durchschnitt 39 Prozent aller Eltern von Kindern unter drei Jahren ein Betreuungsangebot wünschen. Im Durchschnitt wurde dieser Bedarf mit 40,3 Prozent nun gedeckt, in vielen Großstädten liegt er aber beispielsweise weit höher, viele suchen weiter händeringend einen Betreuungsplatz. Bislang hielten sich die Eltern mit rechtlichen Schritten jedoch zurück, die befürchtete Klagewelle ist ausgeblieben.

Auch das Statistische Bundesamt in Wiesbaden legte am Mittwochmorgen Zahlen zur Betreuung vor, allerdings mit Stichtag 1. März 2013. Damit berücksichtigt das Amt keine Plätze, die erst danach geschaffen oder bewilligt wurden. Daraus geht hervor, dass schon vor dem Rechtsanspruch auf eine U3-Betreuung jedes dritte Kleinkind in einer Kita oder von einer Tagesmutter betreut wurde. Bei den Zweijährigen war es sogar jedes zweite. In Ostdeutschland ist die Betreuungsquote fast doppelt so hoch wie in den westdeutschen Bundesländern

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kita-Ausbau: Betreuungsquote steigt, Experte warnt vor Qualitätsverlust"

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  • Es fehlen vor allen SPA und Erzieherinnen, die ihre Ausbildung auch noch selber tragen müssen. Da fragt man sich, wie ernst ist es diesen Staat wirklich um die Kinder.

    Da gibt es noch Subventionen für Tabakanbau in Deutschland ,was sicher wichtiger ist zu unterstützen als eine Erzieherausbildung. So müssen Hilfskräfte die Kinder mit betreuen ohne die geforderte Qualität und Ausbildung. Hauptsache es läuft. Armes Deutschland.

  • Seit langem geplant und trotzdem nur 40% erreicht. Wer ist für dieses Versagen verantwortlich und wird dafür bestraft? Wieso wurden 800 Mill. Euro nicht abgerufen? Nur weil es um deutsche Kinder geht? In Berlin z.B. fehlen massenhaft Schulplätze aber für Asylanten werden/wurden sofort neue Plätze eingerichtet.

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