Koalition rät zu Petersburger Gipfel
Russland-Freibrief für die deutsche Wirtschaft

Putins Petersburger Wirtschaftsforum genießt einen hohen Stellenwert. Doch wegen der Ukraine-Krise drängte Washington viele Firmen zum Boykott. Deutsche Top-Manager reisen dennoch – mit Rückendeckung aus Berlin.
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BerlinEnde März schüttelte Siemens-Chef Joe Kaeser Russlands Präsident Wladimir Putin in Moskau noch die Hand, nun sagten er und die Manager von dutzenden weiteren internationalen Konzernen ihre Teilnahme an einem Wirtschaftsforum in St. Petersburg ab. Hintergrund ist die Ukraine-Krise. Insgesamt 34 Unternehmenschefs hätten deshalb ihre Reise zu dem Forum vom 22. bis zum 24. Mai storniert, schrieb kürzlich die Kreml-treue Zeitung „Iswestija“.

Politiker von CDU, SPD, Linken und FDP halten es jedoch für falsch, die Wirtschaftskonferenz zu meiden und sind froh, dass einige deutsche Top-Manager dabei sind. Sie stellen sich damit mitten in der Ukraine-Krise gegen die US-Regierung, die von einer Teilnahme abgeraten und wegen der Auseinandersetzung mit Russland von einer „unangemessenen Botschaft“ gewarnt hatte. Wichtige US-CEOs hatten daraufhin ihre Zusagen wieder zurückgezogen. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich nicht. Im vergangenen Jahr war sie selbst noch zusammen mit einer hochrangigen deutschen Wirtschaftsdelegation nach Petersburg gereist und hatte dort den russischen Präsidenten getroffen.

„Gerade in der derzeitigen Situation sind Gespräche auf allen Ebenen wichtig und richtig, sowohl auf politischer, militärischer als auch auf zivilgesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU), Handelsblatt Online. „Es gilt, jede Chance zu nutzen, um deutlich zu machen, was – auch wirtschaftlich – auf dem Spiel steht.“ Denn wenn durch das völkerrechtswidrige Verhalten Russlands die Lage in der Ukraine weiter eskaliere, werde es am Ende auf allen Seiten nur Verlierer geben.

Ähnlich äußerte sich der Vize-Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Klaus Barthel (SPD). „Ich halte es für unangemessen und unklug, Russland und Putin unter Quarantäne zu stellen“, sagte Barthel Handelsblatt Online. Die Frage sei, wer eigentlich ein Interesse an einer Eskalation im Ukraine-Konflikt habe und was das konkrete Ziel einer „Kontaktsperre“ bei einer solchen „Eskalationsstrategie“ sein solle. Gleichwohl würde er sich wünschen, „dass es die europäischen Regierungen und politisch Verantwortlichen nicht einigen Managern überlassen, die Gesprächsfäden aufrecht zu erhalten“, fügte der SPD-Politiker hinzu. „Das kann und darf natürlich nicht bedeuten, dass man Putin nach dem Mund redet oder ihn hofiert.“

Bereits Anfang Mai hatten etliche Konzerne angekündigt, dass Spitzenvertreter am Wirtschaftsforum trotz der Ukraine-Krise wie geplant teilnehmen würden. „Spiegel Online“ berichtet, dass neben Eon-Chef Johannes Teyssen auch Metro-CEO Olaf Koch und der Öl- und Gasvorstand von BASF, Harald Schwager, kommen werden.

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  • Wer etwas für die Wiederherstellung guter deutsch-russischer Beziehungen tun kann, der tue es.
    Vielleicht sollten auch baldige Neuwahlen in Deutschland angestrebt werden. Es könnte durchaus eine Mehrheit der Merkel-Nichtversteher geben.


  • Das was sie schreiben hat nur einen Knackpunkt. Warum hätten die westlichen Zentralbanken Ihr Gold verkaufen sollen?

  • Wieso Schwachsinn? Ich habe doch nie was anderes behauptet, als das es um Öl und Gas geht.
    Naja so langsam muss auch der allerletzt begriffen haben, dass es um Öl und Gas geht.
    Für Russland ist es eine Existenzfrage, dass die riesigen Öl und Gas Reserven in der Ukraine nicht gefördert werden. Solch eine Konkurrenz mit der bestehenden Infrastruktur würde die Ukraine wirtschaftlich zu einem zweiten Saudi-Arabien machen und Russland direkt in den Bankrott führen. Wie Erklären Sie sich dann, dass Janukowitsch mit Schlumberger, Exxon und Total Verträge zur Förderung abgeschlossen hat und plötzlich die Revolution ausbricht und der President plötzlich vor 1500 Demonstranten fliehen muss. Also wenn Sie glauben, dass das nicht abgekartet war dann kann Ihnen keiner helfen. In Deutschland gab's bei den Montagsdemos 100000 Demonstranten und die Regierung musste nicht zurücktreten und da solle 1500 die Regierung stürzen?

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