Koalitionsverhandlungen
Konzerne müssen um jedes Kernkraftwerk kämpfen

Kurz vor Beginn der Koalitionsverhandlungen betonen Politiker von Union und FDP, die Sicherheit jedes einzelnen Atomkraftwerks unter die Lupe nehmen zu wollen. Die Energiekonzerne werden für die Verlängerung der Kernkraftwerkslaufzeiten einen hohen Preis zahlen müssen. Diese sollen vor allem den Verbrauchern zu Gute kommen.
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BERLIN. Die Energieversorger sollten „nicht glauben, dass es mit den Liberalen längere Laufzeiten für alle Atomkraftwerke geben wird“, sagte der niedersächsische Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) dem Handelsblatt. Der energiepolitische Koordinator der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer, sagte dem Handelsblatt, man werde sich „jedes einzelne Kernkraftwerk sehr genau anschauen müssen“. Dabei spiele „das Sicherheitsniveau der jeweiligen Anlage die entscheidende Rolle“, sagte der CDU-Politiker.

Die deutlichen Hinweise an die Adresse der vier Kernkraftwerksbetreiber sind Teil des jetzt beginnenden Pokerns um die Gegenleistungen für eine Verlängerung der Kernkraftwerkslaufzeiten. Union und FDP machen deutlich, dass sie den Kraftwerksbetreibern echte Opfer abverlangen wollen. Allein mit Geld werden sich die Unternehmen die Gunst der künftigen schwarz-gelben Koalition nicht erkaufen können – möglicherweise wird das eine oder andere Kraftwerk schneller als bislang erwartet vom Netz gehen müssen.

Die vier Betreiberunternehmen – Eon, RWE, Vattenfall und EnBW – betrachten die Debatte mit wachsender Sorge. Für sie hat jedes einzelne der 17 in Deutschland noch arbeitenden Kernkraftwerke große wirtschaftliche Bedeutung. Die Kraftwerke sind abgeschrieben, sie produzieren Strom zu geringen Kosten. Abhängig von der Strompreisentwicklung und vom unterstellten Verlängerungszeitraum erreicht der Wert längerer Laufzeiten für Unternehmen wie Eon oder RWE leicht zweistellige Milliardenbeträge.

Welche Kernkraftwerke möglicherweise nicht mehr lange am Netz bleiben, ist derzeit noch nicht eindeutig auszumachen. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace dagegen haben seit langem eine klare Vorstellungen: Sie fordern, die sieben ältesten Meiler sowie den Reaktor Krümmel wegen gravierender Sicherheitsmängel sofort stillzulegen. Krümmel ist zwar aus Sicht von Greenpeace besser gegen äußere Einwirkungen geschützt als ältere Reaktoren, sei aber schlecht gewartet. „Außerdem kitzelt man aus dem Reaktor seit Jahren viel Leistung raus. Das ganze System ist stark beansprucht“, sagt Heinz Smital, Kernenergie-Experte von Greenpeace.

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