Kommentar
Nehmerqualitäten

Christian Wulff will bleiben. Doch sein heutiger Auftritt hat gezeigt: Das Amt braucht einen anderen Präsidenten.
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Dieser Mann hat Nehmerqualitäten. Obwohl Christian Wulff einen Fehler nach dem anderen gemacht hat, obwohl ihm der Wind der veröffentlichten Meinung ins Gesicht bläst wie nie zuvor und obwohl selbst die Kanzlerin eine Erklärung vom Bundespräsidenten forderte und damit ein unausgesprochenes „sonst“ wie eine Drohung nachschwingen lässt, will Wulff im Amt bleiben.

Er kämpft um seine nächste Chance mit fast schon abenteuerlicher Logik, wenn er im Interview erklärt, dass sein Verhalten gegenüber der Bild-Zeitung „nicht vereinbar mit seinem eigenen Amtsverständnis“ gewesen sei. Nur leise klingt sein Widerspruch, wenn er seine Reisen zu Freunden aus der Industrie, die ihn freigehalten haben, verteidigt. Laut dagegen schlägt er sich auf die Brust und beklagt die eigenen Fehler.

Wenn er nun bleiben will, verhält er sich nach dem Motto all jener Politiker von Guttenberg bis Westerwelle, die denken: „Wenn sich meine Politik von gestern nicht bewährt, dann mache ich eben morgen eine andere.“ Wulff erweist sich damit als ähnlich wachsweich wie jener Klebstoff, der ihn offenbar an seinen Amtsessel bindet. Er tut sich und uns damit keinen Gefallen. Sich nicht, weil er kein glücklicher Präsident mehr werden kann. Welche Worte will er noch finden, die nicht vor dem Hintergrund dessen, was in dieser Affäre alles geschehen ist, hohl klingen? Wo will er in Deutschland noch auftreten, ohne dass sich nicht jeder Zuschauer an diese Tage um den Jahreswechsel erinnert?

Und uns nicht, weil wir einen Bundespräsidenten wollen, der den Kompass mit sich trägt. Dessen Haltung von innerer Überzeugung geprägt ist und nicht nur vom Wunsch in einem Amt zu bleiben, das er selbst schwer beschädigt hat. Dieser Präsident hat bisher wenig zu sagen gehabt. Künftig müssen wir uns überlegen, ob wir ihm überhaupt noch zuhören wollen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Kommentar: Nehmerqualitäten"

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  • Wo ist in dieser Community "Äpfel und Birnen"?
    Wo ist in dieser Community ein Finanzexperte?
    .
    Dass Merkel und Wulff vor WQeihanchten entschieden haben die Problematik auszusitzen ist mehr als eine Frechheit. Da der Politikbetrieb bis zum 10.1 circa 13 Uhr MEZ während der Ruhepause nicht beendet ist womöglich die Sternsinger das gesamte politische Sytem generell schwächen würden unklar ist, ob und wie die Bundeskanzlerin sich stellen wird , hat die Community folgende vorbereitende Möglichkeite
    - Wo ist Herr Bosbach?
    - Kann die Community bewirken,das der Artikel 146GG beschrieben wird?

    Ade

  • Vielen Dank, Herr Stock. Großartige moralische Maßstäbe. Bitte legen Sie diese Maßstäbe nun an sich selbst an:
    - legen Sie sämtliche Mitgliedschaften in politischen Parteien und Verbänden offen
    - legen Sie offen, ob Sie in Anlageprodukten investiert sind, über die Sie berichten
    - bzw. bei denen Sie durch Informationsvorsprünge aus redaktioneller Arbeit profitieren
    - legen Sie offen, welche Vergünstigungen dank Presse-Ausweis und Mitarbeit beim Handelsblatt Sie privat genutzt haben und nutzen
    - legen Sie offen, wer, wenn nicht Sie selbst und nicht die Redaktion Ihre letzten zwanzig Reisen bezahlt haben:
    los, zeigen Sie das alles auf, wie es sich gehört...
    Das Finanzamt wird sich im Zweifel auch dafür interessieren.
    Es wird höchste Zeit, dass diese Fragen endlich gestellt werden.

  • Ein guter Kommentar den man Satz für Satz unterschreiben kann!
    Überhaupt - Olivier Stocks Beiträge sind zu loben: Inhaltlich und stilistisch. Gerne weiter so !

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