Kommentar zum Grenzstreit
Der bayerische Löwe brüllt vergeblich

CSU-Chef Seehofer schimpft auf Österreichs Flüchtlingspolitik und wettert über die Regierungschefs Merkel und Faymann. Doch das Murren aus München wird verhallen – nicht zuletzt, weil die Polemik sachlich unbegründet ist.
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WienDie rustikale Art der Bayern sind die Österreicher schon lange gewohnt. Deshalb ist die lautstarke Kritik des weiß-blauen Ministerpräsidenten Horst Seehofer an der angeblich miserablen Koordination an der Grenze zum rot-weiß-roten Alpenland für die Regierung in Wien keine Überraschung.

Spitze Zunge behaupten ohnehin, dass der Freistaat immer mehr in Richtung „Orbánistan“ abdrifte, nachdem Seehofer kürzlich den Umgang von Ungarns rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán zu einer Art Musterbeispiel auserkoren hatte.

Dass Seehofer ausgerechnet nach „Mutti“ alias Angela Merkel ruft, löst in der Donaumetropole nur ein müdes Lächeln aus. Die deutsche Kanzlerin wird der rot-schwarzen Regierung wohl kaum die Leviten lesen. Denn Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann zieht auf der internationalen Bühne mit Merkel an einen Strang.

Der sozialdemokratische Amtskollege aus Wien gilt als einer der engsten Verbündeten der Kanzlerin, wenn es darum geht, die Osteuropäer zum Einlenken bei der Aufnahme von Flüchtlingen zu bewegen. Beide sind sich einig, dass rigide Grenzkontrollen nach dem Modell Ungarns das Problem nicht aus der Welt schaffen, sondern nur verlagern.

Seehofer und die CSU haben es geschafft, das Verhältnis zu Österreich auf einen neuen Tiefpunkt zu bringen. Schon die von der CSU initiierte Ausländermaut auf Deutschlands Straßen wurde als verkehrspolitische Ohrfeige des weiß-blauen Nachbars empfunden.

Auch die bayerische Kritik an den Flugrouten des Salzburger Flughafens nervte die Österreicher. Von dem Milliardenstreit um die Klagerfurter Hypo Alpe Adria ganz zu schweigen. Und nun auch noch das Flüchtlingsproblem.

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