Kommentar zur Ehe für alle
Ein überfälliges Ja

Das Ja zur Ehe für alle war überfällig. Das Signal, das von dieser Entscheidung ausgeht, geht über die rechtliche Gleichstellung weit hinaus: Deutschland ist in der Moderne angekommen. Ein Kommentar.
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BerlinDie Politik hat am Freitag das gemacht, was sie tun soll: Den Willen des Volkes vertreten. Sie hat die Ehe für homosexuelle Paare ermöglicht. Der weit überwiegende Teil der Bevölkerung, das zeigte zuletzt auch eine Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, war dafür. 

Es geht bei dieser Entscheidung nicht nur um die rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare. Es geht auch um das Signal, das davon an die Gesellschaft ausgeht. Es lautet: Homosexuelle Paare unterscheiden sich im Grundsatz nicht von heterosexuellen Paaren. Es hängt nicht vom Geschlecht der Eltern ab, ob ein Kind eine glückliche Kindheit hat. 

Es ist ein diskriminierendes und unlogisches Vorurteil, dass es Kindern bei gleichgeschlechtlichen Paaren schlechter geht. Das Gegenteil dürfte nicht selten der Fall sein. Aus einem einfachen Grund: Die Entscheidung für ein Kind ist bei gleichgeschlechtlichen Paaren immer zwangsläufig eine sehr bewusste.

Sie können nicht einfach aus Versehen schwanger werden oder weil es eben dazu gehört in dieser Gesellschaft, dass ein Paar im Laufe seiner Beziehung irgendwann auch Kinder zusammen hat. Obwohl die Argumente der wenigen, aber lauten Gegner zum überwiegenden Teil schlicht unsinnig sind, zeigt ihr Widerstand doch, dass viele diese Entscheidung überfordert und die Veränderung ihnen Angst macht. Die Abkehr von Traditionen, auch wenn sie nur noch auf dem Papier existieren, ist für viele Menschen nicht leicht. 

Die Zeit wird sie beruhigen. Die Zeit wird zeigen, dass diese neue Normalität eben nicht dazu führen wird, dass die Ehe zwischen Mann und Frau abgewertet wird oder dass nun bald auch die Ehe zwischen mehreren Frauen und Männern möglich sein wird. Die Zeit wird zeigen, dass Kinder bei homosexuellen Eltern ebenso glücklich sein können wie bei heterosexuellen Eltern.

Die Entscheidung für die gleichgeschlechtliche Ehe ist nicht zuletzt auch ein Signal an die Welt. Deutschland ist offen. Deutschland ist modern. Deutschland lässt nicht zu, dass Menschen dafür diskriminiert werden, dass sie sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen. 

Dass die Entscheidung für die Ehe für alle am Ende auch ein wahltaktisches Manöver war und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) doch mit Nein gestimmt hat, muss erwähnt und besprochen werden. Aber: Deutschland ist in der Moderne angekommen. Das ist es, was am heutigen Tag zählt.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Kommentar zur Ehe für alle: Ein überfälliges Ja"

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  • @ Herr Fatih Selim30.06.2017, 16:15 Uhr

    Jeder blamiert sich, so gut er kann.

  • @Herr Kumpf: und weil die Entscheidung Ihnen als "glücklichem Familienvater" keinen Nutzen bringt, ist sie überflüssig, oder wie?

    Was Sie wohl gesagt hätten, wenn Ihnen jemand verboten hätte, sieben Kinder zu haben? Haben Sie die Kinder eigentlich alle mit derselben Frau? Oder haben Sie sich vielleicht schon einmal scheiden lassen?

    Sie nehmen Ihre Rechte einfach als selbstverständlich und tun die Interessen anderer mal eben als überflüssig ab. Hauotsache für Sie ist gesorgt.

  • @Selim
    Ist es nicht großartig, dass Sie hier in Deutschland das Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen dürfen, auch wenn Sie dabei eine Nation ehrabschneidend beleidigen? In Ihrem Heimatland würde man Sie wahrscheinlich an Ihren winzig kleinen Eiern aufhängen. Cok yasa Almanya, eashat 'almania

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