Konferenz der Länderregierungschefs
Keine Rückkehr zur alten Rechtschreibung

Eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung ist nach Meinung der Ministerpräsidenten ausgeschlossen. Allerdings soll der neue Rat für die deutsche Rechtschreibung strittige Fälle schnell überarbeiten und dabei auch Reformkritiker mit einbeziehen.

HB BERLIN. Dies zeichnete sich am Donnerstag zum Auftakt von zweitägigen Beratungen der Länder- Regierungschefs in Berlin ab. Für die Forderung von Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff (CDU) nach Aufschub des offiziellen Einführungstermins an den Schulen zum 1. August 2005 gab es unter den Ministerpräsidenten keine Mehrheit.

Wulff, der mit seinem Ruf nach Wiedereinführung der alten Schreibweisen den neuen Streit ausgelöst hatte, räumte nach einer Vorbesprechung der Unionsseite ein: „Ich muss hier konstatieren, dass es keine Möglichkeit gibt, zur alten Rechtschreibung zurückzukehren“. Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte: „Bei der Reform gibt es keine Rolle rückwärts“. Dies könne man allein schon den 14 Millionen Schülern nicht zumuten, die bereits seit 1998 an den Schulen in den neuen Schreibweisen unterrichtet werden, sagte Wowereit, der neuer Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz ist.

Konsens zeichnet sich hingegen darüber ab, dass einzelne Teile der Reform von dem neuen Expertenrat bald überprüft werden sollen. Dies gilt vor allem für die strittige Getrennt- und Zusammenschreibung, für die Eindeutschung verschiedener Fremdwörter und für einige Kommaregeln.

Thüringens Regierungschef Dieter Althaus (CDU) kündigte an, dass die Kultusminister diesen Prozess zügig begleiten werden. „Dabei sollen auch namhafte Kritiker der Reform einbezogen werden.“ Die Kultusminister hatten bereits im Juni die Einsetzung eines Rates für die deutsche Rechtschreibung angekündigt. Vorgesehen ist dabei die Mitwirkung von Sprachwissenschaftlern, Verlagen und Journalisten. Der Rat soll nach Abstimmung mit Österreich und der Schweiz Mitte Oktober offiziell bestätigt werden.

Auf ihrer Jahrestagung wollen sich die Ministerpräsidenten auch mit den Konsequenzen des von Niedersachsen gekündigten Vertrages über die Kultusministerkonferenz (KMK) befassen. Wulff rechtfertige erneut sein Vorgehen und sagte: „Ich will eine bessere und sparsamere KMK“. Zu Kritik an seiner Vertragskündigung sagte Wulff: „Wer eine insgesamt verstaubte Institution modernisieren will, der muss damit rechnen, dass dabei auch Staub aufgewirbelt wird.“ So komme manches Landesministerium mit weniger Mitarbeitern aus als die KMK. In den KMK-Geschäftsstellen in Bonn und Berlin sind rund 250 Mitarbeiter beschäftigt, davon zahlreiche in Teilzeit.

In einer Aktuellen Stunde im Landtag von Nordrhein-Westfalen haben sich alle vier Fraktionen für den Erhalt der Kultusministerkonferenz ausgesprochen. Allerdings müsse die KMK entbürokratisiert werden, um künftig effektiver zu arbeiten. NRW-Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft und Schulministerin Ute Schäfer (beide SPD) übten scharfe Kritik an dem Ausstieg Niedersachsens. Schüler, Studierende und der Mitarbeiterstab der KMK würden dadurch zum Spielball politischer Machtspiele gemacht. Dabei sei die Reform der KMK längst im Gange, sagten die SPD-Politikerinnen.

Das Vorgehen Wulffs war zuvor auch von fast allen Kultusministern der Union kritisiert worden.

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