Konfliktbereite Gewerkschaft
IG Metall prescht vor Tarifrunde nach vorn

Für Krisengerede gebe es keinen Grund und entsprechend sollten die Arbeitgeber die Beschäftigten angemessen bezahlen: Die IG Metall fordert vor der neuen Tarifrunde 5,5 Prozent mehr Lohn – sonst gebe es bald Streiks.
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HannoverDie IG Metall zeigt sich unmittelbar vor den Tarifverhandlungen für die 3,7 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie betont konfliktbereit. Gestärkt durch steigende Mitgliederzahlen setzte Niedersachsens Bezirkschef Hartmut Meine den Arbeitgebern am Donnerstag ein Ultimatum: Wenn nicht bereits in der zweiten Verhandlungsrunde in dem Bundesland am 28. Januar ein „akzeptables Angebot“ vorliege, werde die Gewerkschaft die Beschäftigten zu Warnstreiks aufrufen. „Wir gehen sehr selbstbewusst und engagiert in die Tarifrunde und haben Muskeln“, betonte Meine. Die IG Metall kann ihre Mitglieder am 29. Januar zu Warnstreiks aufrufen, dann ist die Friedenspflicht abgelaufen.

Meine verteidigte die Forderung nach einem 5,5-prozentigen Lohnaufschlag für die Beschäftigten erneut als wirtschaftlich vernünftig. „Wir sehen für Krisen-Gerede der Arbeitgeber überhaupt keinen Grund.“ Alle Wirtschaftsforschungsinstitute gingen für 2015 von einem Wachstum aus. Sollte sich der aktuelle Rückgang der Preise fortsetzen und eine wirtschaftlich gefährliche Deflation Gestalt annehmen, müsse die IG Metall „erst recht“ höhere Löhne fordern, um eine Gegenentwicklung einzuleiten.

Die Arbeitgeber lehnen hohe Gehaltsaufschläge mit Verweis auf die verhaltene Konjunktur ab. „Es ist mir völlig schleierhaft, wie man bei einer Inflationsrate von unter einem Prozent eine Tariferhöhung um 5,5 Prozent fordern kann“, sagte der Hauptgeschäftsführer von Niedersachsen Metall, Volker Schmidt. Ebenso wenig verständlich sei, dass die Gewerkschaft angesichts des demografischen Wandels einer massenhaften Frühverrentung von Mitarbeitern das Wort rede. Schmidt warf der IG Metall eine rückwärtsgewandte Tarifpolitik vor: „Es geht heute darum, wie wir unsere Beschäftigten länger, gesund im Betrieb halten können.“

Auch der Forderung nach einer Bildungsteilzeit erteilte Schmidt erneut eine deutliche Absage: „Es ist völlig kontraproduktiv, die gut funktionierenden Weiterbildungsangebote der Arbeitgeber in ein tarifvertragliches Korsett zu zwängen.“

Deutschlands mitgliederstärkste Gewerkschaft fordert neben einer kräftigen Lohnerhöhung eine Neuregelung der Altersteilzeit sowie eine von den Arbeitgebern bezuschusste Bildungszeit. Ohne eine Einigung in allen drei Punkte werde es keinen Tarifvertrag geben, bekräftigte Meine.

Den Auftakt für die regionalen Verhandlungen machen am Mittwoch Bayern und der traditionelle Pilotbezirk Baden-Württemberg. In Bayern war in der zurückliegenden Tarifrunde der Durchbruch erzielt worden. Vereinbart wurden damals bundesweit Lohnerhöhungen in zwei Stufen von insgesamt 5,6 Prozent. In Niedersachsen beginnen die Verhandlungen am 19. Januar. Meine geht von „harten und konfliktreichen“ Tarifverhandlungen aus, weil die Positionen weit auseinander liegen.

Parallel zu der bundesweiten Runde verhandelt die IG Metall über einen neuen Haustarif für die 115.000 Beschäftigten in den sechs Werken von VW in Westdeutschland und bei der Finanztochter. Auch hier will die Gewerkschaft 5,5 Prozent höhere Löhne durchsetzen. Die Gespräche darüber sollen am 4. Februar beginnen. Bei VW rechnet die IG Metall mit einer besonders „ruppigen“ Tarifrunde, denn der Autobauer hat ein milliardenschweres Sparprogramm aufgelegt. Alleine der Personalbereich der Hauptmarke solle seine Kosten um einen dreistelligen Millionen-Betrag senken, sagte Meine.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Warum erhalten die Arbeitsnehmer nicht die Summe, die sich unsere Politiekr nehmen?....

    Es würde eine größere Ersparnis im Bundeshaushalt zum Vorteil aller sein, wenn es anders herum wäre und die Politik auch 1 bis zwei Prozent bis nichts erhalten würden.

  • Warum erhalten die Arbeitsnehmer nicht die Summe, die sich unsere Politiekr nehmen? Die Arbeitnehmer leisten im Gegensatz zu den Politikern gute Arbeit und schädigen nicht vorsätzlich Deutschland!

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