Konjunktur
Banken verwahren sich gegen Geiz-Vorwürfe

Deutschlands Banken stehen heftig in der Kritik. Von allen Seiten hagelt es Vorwürfe, sie seien zu zögerlich bei der Kreditvergabe und würden das preiswerte Geld der Europäischen Zentralbank horten, statt es an ihre Kunden weiterzugeben. Die Politik droht schon mit Zwangsmaßnahmen. Die Institute wehren sich mit deftigen Worten und bekommen dafür Unterstützung von zahlreichen Spitzenökonomen.

HB BERLIN. "Zwang halte ich für eine abenteuerliche Maßnahme", sagte der Geschäftsführende Vorstand des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Manfred Weber, am Montag in Berlin. Man könne auch niemanden zwingen, Aktien von einem Unternehmen zu kaufen, dem es im Moment besonders schlecht gehe. Auch Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Branchenexperten wiesen Kritik an der Kreditvergabe zurück. Koalitionspolitiker hatten am Wochenende Zwangsmaßnahmen im Fall einer "Kreditklemme" nicht ausgeschlossen.

Die Bundesregierung versuchte am Montag, die Wogen wieder zu glätten, die Finanzminister Peer Steinbrück mit der Androhung von Zwangsmaßnahmen ausgelöst hatte. Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg warnte vor "leichtfertigem Gerede" und versicherte, es gebe aktuell keine Kreditklemme in Deutschland. Es gebe aber Probleme bei der Kreditvergabe. Die Bundesregierung erwarte jetzt, dass die Banken die von der Europäischen Zentralbank (EZB) gewährten Konditionen auch an die Wirtschaft weitergäben.

Steinbrück hatte den Banken am Wochenende mit staatlichen Zwangsmaßnahmen gedroht, sollte es im zweiten Halbjahr zu einer echten Kreditklemme kommen. Obwohl die EZB den Instituten kürzlich die Rekordsumme von 442 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von einem Prozent bereitgestellt hatte, beklagen viele Unternehmen, dass sie bei den Banken abgewimmelt werden oder Kredite nur zu hohen Zinssätzen bekommen. Kritiker werfen den Banken vor, das billige Geld vor allem zu nutzen, um sich selbst zu finanzieren.

"Wir geizen nicht und zögern nicht mit den Krediten", konterte BdB-Chef Weber die Kritik. Banken müssten aber prüfen, wenn sie Kredite vergeben. Teils höhere Konditionen und Sicherheiten spiegelten wider, dass nun ein höheres Risiko in Kredite "eingepreist" werden müsse. "Wir haben früher sogar Kredite zu billig vergeben." Dies sei auch eine Lehre aus der Finanzmarktkrise. Der Verband betonte, es gebe "keine allgemeine Kreditklemme". In manchen Bereichen sei es aber problematisch, etwa bei großen oder länger laufenden Finanzierungen.

Der Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich, sagte der "Bild"-Zeitung: "Die Kreditvergabe geht aktuell nicht zurück, sondern nimmt trotz Rezession zu." Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Heinrich Haasis, sagte der Zeitung: "Sparkassen haben ihr Kreditneugeschäft mit Unternehmen in den ersten vier Monaten um mehr als sechs Prozent auf insgesamt 23,5 Mrd. Euro ausgeweitet."

Branchenexperte Thomas Hartmann-Wendels nannte die Kritik an den Banken verfrüht. "In der Tat hört man teilweise von Mittelständlern, dass es Knappheiten gibt. Andererseits wirbt eine Reihe von Banken aber gerade im mittelständischen Bereich massiv um Kunden", sagte der Direktor des Instituts für Bankwirtschaft und Bankrecht der Universität Köln am Montag der Agentur dpa. "Man sollte etwas Geduld haben. Der Wettbewerb wird schon dafür sorgen, dass Banken weiterhin Kredite vergeben." Wenn der Staat die Kreditvergabe regeln solle, müsse er auch für Verluste haften.

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