Krisenkonjunktur
Trotz Krise gibt es sie – die Jobwunder

Ob Banken, Autoindustrie oder Maschinenbau - der deutschen Wirtschaft brechen derzeit die Aufträge weg. Viele Unternehmen reagieren mit Entlassungen, andere versuchen in der Krise neue Fachkräft zu gewinnen. Besonders Ingenieure und Fachkräfte im Gesundheits- und Pflegebereich sind gefragt.

DÜSSELDORF/BERLIN. Trister könnte das Bild der Wirtschaft in Deutschland kaum sein. Die Banken schreiben im regelmäßigen Rhythmus Milliardenbeträge ab. Die Autoindustrie erlebt die schlimmste Krise seit Jahrzehnten. Und selbst dem erfolgsverwöhnten Maschinenbau brechen die Aufträge weg. Eine schnelle Erholung erwartet niemand.

Und dennoch: Es gibt sie - jene Unternehmen, die im Krisenjahr 2009 in großem Stil Personal aufbauen. Denn viele Manager wissen noch: In den Boomjahren litten die Unternehmen unter akutem Fachkräftemangel - es fehlten vor allem Ingenieure. Ökonomen und Politiker sprachen von einer Wachstumsbremse. Deshalb versuchen Manager in der jetzigen Krise nicht nur, Fachpersonal so lange wie möglich zu halten. Sie nutzen auch den schwachen Arbeitsmarkt, um an neue, gut ausgebildete Fachkräfte zu kommen.

Beispiel Siemens: Die Energiesparte des Münchener Konzerns will in diesem Jahr rund 700 Mitarbeiter einstellen. "Vor allem Ingenieure werden gebraucht", sagt Peter Schaaf, Personalexperte der Energiesparte: "Wir nutzen die Situation am Arbeitsmarkt aus." Derzeit kämen viel mehr Initiativbewerbungen - sogar von erfahrenen Ingenieuren.

Auch der Mischkonzern MAN grast den Arbeitsmarkt ab. "Wir stellen in diesem Jahr ähnlich viele Mitarbeiter ein wie 2008", sagte ein Konzernsprecher. Im vergangenen Jahr waren es fast 1 000. Vor allem Ingenieure für die Diesel-Motoren- und die Turbo-Sparte brauche das Unternehmen. Selbst für die Nutzfahrzeugtochter verhängt MAN keinen Einstellungsstopp - obwohl die Branche in einer schweren Krise steckt.

Insgesamt planen nach der jüngsten Umfrage der Deutschen Industrie und Handelskammer (DIHK) acht Prozent der Unternehmen in Deutschland, ihre Belegschaft weiter aufzustocken. Das sind mehr als bei früheren Konjunktureinbrüchen etwa in den 90er-Jahren oder Anfang 2000. Nach einer Studie des Münchener Ifo-Instituts wollen sogar 13 Prozent der Firmen Personal einstellen.

DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier weist darauf hin, dass die Stimmung im Land nicht überall gleich schlecht ist. Pharmaindustrie, Versicherungswirtschaft, Medizintechnik, aber auch die IT-Branche sähen durchaus geschäftliche Chancen - und suchten Fachkräfte. Auch Forschungsdienstleister und konsumorientierte Branchen wie die Lebensmittelindustrie stellten ein.

Dass der Jobmotor auch bei konsumnahen Dienstleistungen weiterhin rund läuft, hat für den Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, vor allem einen Grund: "Die Kaufkraft der Verbraucher ist stark gestiegen, und die Beschäftigung liegt trotz des Anstiegs der Arbeitslosenzahlen in den vergangenen Monaten auf historisch hohem Niveau." So sei die Inflationsrate als Folge der Krise um zwei Prozentpunkte gesunken. "Allein die niedrigeren Rohstoffpreise werden die Verbraucher in diesem Jahr um 20 Mrd. Euro entlasten", ergänzt der Konjunkturchef des DIW, Christian Dreger.

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