Kristina Köhler
Mit dem „Prädikat konservativ“ ins Familienministerium

Bereits als 14-Jährige schwärmte sie für den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, Pateifreunde attestieren ihr das „Prädikat konservativ“. Doch für welche Familienpolitik steht Kristina Köhler, die Nachfolgerin von CDU-Star Ursula von der Leyen? Eine Spurensuche.
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BERLIN. In einem Beitrag für ihre Abiturzeitung formulierte Kristina Köhler 1997 ihren Anspruch an eine moderne Familienpolitik: Sie wolle die erste Frau sein, „die Ehe, Kinder und Karriere unter einen Hut bringt, ohne dass irgendein Teil darunter leidet und ohne jemals zur Feministin zu werden“, schrieb sie. Zwölf Jahre später – und damit vielleicht deutlich früher, als sie damals gedacht haben mag – kann sie diesen Anspruch jetzt in die Tat umsetzen.

Nur wenige Stunden nach dem Rücktritt von Arbeitsminister Franz Josef Jung (CDU) stand am späten Freitagnachmittag die Rochade fest: Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) wechselt ins Arbeitsministerium, das Haus mit dem größten Einzeletat. Und die Hessen-CDU, dieser Kampfverband zumeist älterer Herren, benennt ausgerechnet die junge CDU-Abgeordnete Köhler als von der Leyens Nachfolgerin. Heute soll sie vereidigt werden.

Schon als 14-Jährige schwärmte sie für Helmut Kohl

Es ist der frühe Höhepunkt einer Politkarriere, die früh begann. Bereits als 14-Jährige fand Köhler den Weg zur CDU, früher kann man der Jungen Union nicht beitreten. „Die anderen Mädchen schwärmten für Pferde, ich für Helmut Kohl“, erinnert sie sich. Neben dem Altkanzler führt sie Roland Koch, Angela Merkel und von der Leyen als Vorbilder an. Damit ist das ganze Spektrum der CDU erfasst – von knochenkonservativ bis hin zur liberalen Großstadtpartei. Was aber verraten die Vorbilder über die Familienpolitikerin Köhler?

Das neue Ministerium bietet jede Menge Tretminen. Köhler muss den Ausbau der Kinderbetreuung zu Ende führen – das Vorhaben, mit dem von der Leyen zur Vorzeigeministerin avancierte und das verstaubte Familienbild ihrer Partei revolutionierte. Und Köhler muss bis 2013 das von der CSU geforderte Betreuungsgeld einführen, also die 150 Euro monatlich, die Eltern bekommen sollen, die ihre Kinder zu Hause erziehen. So steht es im Koalitionsvertrag. Darüber, ob das Geld in bar oder in Gutscheinform ausgezahlt wird, tobt Streit. Gerade Eltern aus sozial schwachen Verhältnissen könnten die Zahlung nutzen, um das Familienbudget aufzubessern.

Von der Leyen galt als Gegnerin der Barauszahlung, schon daher setzt die CSU auf Köhler: „Sie kann sich dem Thema Betreuungsgeld unvoreingenommen nähern“, sagt der Familienexperte der Partei, Johannes Singhammer, der Köhler ansonsten aber das „Prädikat konservativ“ verleiht. Michael Meister, Köhlers Parteifreund in der Hessen-CDU, schränkt ein: „Sie ist eine gestandene Konservative, aber sie lässt sich nicht darauf begrenzen.“

Erste Interviewäußerungen zum Betreuungsgeld helfen nicht viel weiter. „Das ist wirklich ein schwerer Zielkonflikt.“ Einerseits sei das Signal der Unterstützung an junge Paare richtig, bei denen sich ein Elternteil ganz der Kindererziehung widmen wolle. „Auf der anderen Seite darf das aber auch kein Anreiz sein für Familien, in denen das Kind von einer Kinderbetreuungseinrichtung sehr gut profitieren könnte, dass die sagen, na dann behalte ich meine Kinder lieber zu Hause.“

Und Familie? Dass eine Frau ohne Kinder Familienministerin für die CDU wird, ist zumindest ungewöhnlich. Köhler ist 32, unverheiratet, ohne Kinder, liiert mit Ole Schroeder. Auch der 38-Jährige ist ein Polit-Aufsteiger und seit der Wahl parlamentarischer Staatsekretär im Innenministerium.

Familie bedeutet für sie nicht automatisch Vater, Mutter, Kind

Erste Äußerungen lassen auf ein liberales Familienverständnis Köhlers schließen, auch was gleichgeschlechtliche Partnerschaften angeht: „Auch in diesen Partnerschaften werden Werte gelebt, die für unsere Gesellschaft entscheidend sind. Oft sogar sehr konservative Werte“, sagt Köhler. In der CDU hat sie am Grundsatzpapier zur neuen Familienpolitik mitgewirkt, an der Seite von der Leyens.

Hessens Regierungschef Koch hat Köhlers Talent früh erkannt und sie gefördert. Seinen Wahlkampf 2008, als Koch gegen kriminelle jugendliche Ausländer polemisierte, nannte Köhler trotzdem „tumb“. Seit 2002 sitzt die Soziologin im Bundestag, bei der letzten Wahl eroberte sie in Wiesbaden ein Direktmandat gegen SPD-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul.

Im Parlament kümmerte sich Köhler um die Themen Islam und Integration. Lob brachte ihr die Arbeit im BND-Untersuchungsausschuss ein. Ohne Scheu nahm die junge Blonde den damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ins Gebet. „Sie hat einen sehr hartnäckigen Charme“, sagt ihr Parteifreund und Parlamentsveteran Wolfgang Bosbach. Das ist durchaus als Anerkennung gemeint.

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  • @Connector, ich kann dir nur zustimmen. ich habe dieses Jahr auch mein Studium abgeschlossen, Praktika gemacht, spreche 3 Fremdsprachen, aber auch ich bekomme bisher nur Absagen, da ich noch keine berufserfahrung vorweisen kann. Es macht mich wuetend das zwischen Ressorts hin und her gesprungen werden kann ohne jegliche Erfahrung. Armes Deutschland.

  • @Connector, ich kann dir nur zustimmen. ich habe dieses Jahr auch mein Studium abgeschlossen, Praktika gemacht, spreche 3 Fremdsprachen, aber auch ich bekomme bisher nur Absagen, da ich noch keine berufserfahrung vorweisen kann. Es macht mich wuetend das zwischen Ressorts hin und her gesprungen werden kann ohne jegliche Erfahrung. Armes Deutschland.

  • Juchhu,

    eine 32-jährige Familienministerin ohne Kinder und Familie. So etwas ist nur durch Seilschaften in der Politik möglich. Schade eigentlich. Wenn ich in meiner aktuellen bewerbungsphase als Absolvent eine Absage nach der anderen erhalte, weil Erfahrung fehlt...und ich dann so etwas sehe...oder wenn ich andere Studienschwerpunkte gesetzt habe, als in der Stelle verlangt ist, dann wird darüber nicht mal gesprochen, sondern die Unterlagen kommen postwendend wieder zurück. Aber Familienministerin ohne Familie und Kinder ist in Deutschland trotzdem möglich...

    Traurig.

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