Kritik am CDU-Spitzenkandidaten
Rüttgers' Menschenbild sorgt für Wirbel

Der Spitzenkandidat der CDU bei der bevorstehenden Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, hält das christliche Menschenbild für überlegen. Dies brachte ihm Kritik und Kopfschütteln selbst in der eigenen Partei ein.

HB BERLIN/DÜSSELDORF. Rüttgers wurde am Donnerstag in der N24-Talkshow "Studio Friedman" von Moderator Michael Friedman gefragt: "Ist die katholische Kirche und ihr Menschenbild anderen Religionen überlegen?". Darauf antwortete Rüttgers: "Ich glaube, dass es das richtige ist, wenn sie so wollen auch 'überlegen'". Die Landes-CDU erklärte in einer Stellungnahme, Rüttgers lege Wert darauf, dass er das Menschenbild der katholischen Kirche gemeint habe und nicht den Katholizismus generell.

Am Freitagmorgen hatte N24 das Zitat so wiedergegeben: "Ich glaube, dass die Katholische Kirche und ihr Menschenbild das richtige ist und anderen Religionen überlegen ist." Dies sorgte für harsche Reaktionen der beiden Grünen-Landesvorsitzenden Britta Haßelmann und Frithjof Schmidt: "Nach wochenlangem Schweigegelübde ist Jürgen Rüttgers wieder aufgetaucht und bläst gleich zum Heiligen Krieg". Rüttgers' Äußerungen seien "ein Schlag ins Gesicht für die überwältigende Mehrheit der deutschen Katholiken, die sich seit Jahren für die Ökumene und den interreligiösen Dialog etwa mit dem Islam einsetzten". Erst am frühen Nachmittag korrigierte N24 das Zitat.

Die SPD warf Rüttgers vor, die Gefühle vieler gläubiger Menschen verletzt zu haben. NRW-Landeschef Harald Schartau erklärte, die Aussage des CDU-Spitzenkandidaten zeuge "von einem intoleranten und verengten Weltbild". Selbst in der eigenen Partei sorgte Rüttgers für Kopfschütteln. Thüringens CDU-Ministerpräsident Dieter Althaus distanzierte sich. "Ich teile Rüttgers Auffassung nicht", sagte Althaus, der selber Katholik ist, der Zeitung "Thüringer Allgemeine".

Die Evangelische Kirche bewertete die Äußerung als Ausrutscher: "Wir können uns nicht vorstellen, dass Jürgen Rüttgers am 'Morgen danach' das Menschenbild von mehr als sechs Millionen Protestanten in NRW für unterlegen hält", sagte ein Sprecher der zweitgrößten deutschen Landeskirche. Mehr sei "zum gegenwärtigen Zeitpunkt dazu nicht zu erklären".

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