Kritik an Merkel
Der Aufstand des Michael Glos

Jedes Mal, wenn er mit Forderungen an die Öffentlichkeit ging, wurde er von der Kanzlerin zurückgepfiffen: Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat wahrlich keinen einfachen Stand in der Bundesregierung. Doch nun ist ihm der Kragen wohl endgültig geplatzt: Glos will sich nicht länger von Angela Merkel vorführen lassen. Der Minister keilt zurück.

BERLIN. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat es immer wieder versucht. Er hat sich vor die Mikrofone gestellt und Steuersenkungen gefordert, er hat den Zeitungen Interviews gegeben und Steuersenkungen gefordert - und er hat im Bundestag Steuersenkungen gefordert. Kaum waren seine Forderungen auf dem Tisch, pfiff ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel zurück: Kein Geld, nicht der richtige Zeitpunkt, nicht das geeignete Instrument, ließ ihm die Kabinettschefin ausrichten. In der Koalition kam Zustimmung regelmäßig nur von der CSU. Glos ertrug die Zurückweisung durch Merkel lange Zeit geduldig. Damit ist es nun vorbei.

Via "Bild"-Zeitung ließ Glos jetzt wissen, er und die gesamte CSU erwarteten in Zukunft "mehr Verständnis". Es gebe "viel Enttäuschung" darüber, dass "die CDU und die Kanzlerin" den berechtigten Wünschen der CSU nicht entgegenkommen, sagte der Wirtschaftsminister.

Die Tonlage ist neu. Bislang hatte Glos es klaglos hingenommen, dass Merkel seine Ideen ablehnte. Zuletzt war das kurz vor der Beschlussfassung der Bundesregierung über das Impulsprogramm zur Ankurbelung der Konjunktur Anfang November deutlich geworden. Das Glos-Ressort bombardierte die Öffentlichkeit fast täglich mit neuen Vorschlägen, Berechnungen und Argumentationspapieren rund um steuerliche Entlastungen - ohne jeden Erfolg. Oft dauerte es kaum zwei Stunden, da hatte Merkels Sprecher die Forderungen des Wirtschaftsministers bereits öffentlich abschlägig beschieden.

Jetzt muss der Frust raus. Im Glos-Umfeld heißt es, mittlerweile sei der Minister stinksauer. Glos habe sich der Regierungschefin gegenüber immer loyal verhalten. Er sei davon ausgegangen, dass Merkel ihm das auch mal danke. Doch davon sei nichts zu spüren. "Die Kanzlerin scheint die Vorstellung zu verfolgen, der Wirtschaftsminister solle sich allein aufs Winken verlegen", resümiert ein Vertrauter bitter.

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