Kundus-Luftschlag
Opposition fordert Aufklärung über KSK-Einsatz

Nach Berichten über eine maßgebliche Beteiligung der Bundeswehr-Elite-Einheit KSK am umstrittenen Luftangriff mit zivilen Opfern nahe Kundus fordert die Opposition Aufklärung vom Verteidigungsministerium. Die SPD warnt vor dem Verlust von Vertrauen in Bundeswehr. Der Anwalt der zivilen Opfer es Luftangriffs fordert vom Bund einen Entschädigungsfonds.
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HB BERLIN. Dass die Abgeordneten nicht oder falsch über eine mögliche Beteiligung der KSK informiert worden seien, sei fatal, sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, am Donnerstag Reuters-TV. Damit werde das Vertrauen in die Einsätze der Bundeswehr massiv beschädigt. "Sollte dieser Einsatz von KSK geführt worden sein, wird dann plötzlich auch klarer, warum die Informationen schlecht, falsch, auf jeden Fall unzureichend waren."

Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung berichtet, im deutschen Feldlager Kundus sei der Luftangriff auf zwei gekaperte Tanklastzüge aus einem Kommandostand einer geheimen Einheit "Taskforce 47" (TF47) geführt worden. Diese Task Force bestehe zur Hälfte aus KSK-Elite-Soldaten. Ein Informant habe Hinweise gegeben, dass sich vier Taliban-Anführer bei den Lastern befunden hätten. Die "Leipziger Volkszeitung" berichtete unter Berufung auf einen Parlamentarier, bei dem Bombenangriff sei es um die gezielte Ausschaltung dieser Männer gegangen.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte zu den Berichten lediglich, die Obleute des des Verteidigungsausschusses seien auch über die "Taskforce 47" unterrichtet worden. Dem "Kölner Stadt-Anzeiger" sagte Arnold, es sei möglich, dass die Beteiligten an dem Luftangriff die Taliban-Anführer töten wollten und dabei auch den Tod von Zivilisten in Kauf genommen hätten. Bei dem Luftangriff sind nach Angaben des Anwalts der Opferfamilien mindestens 137 Zivilisten getötet worden. "Wir haben allein 91 Witwen von Opfern des Bombardements und 163 Waisenkinder registriert", sagte Rechtsanwalt Karim Popal der "Neuen Presse". Demnach würden seit dem am 4. September von einem deutschen Oberst angeforderten Angriff auch 22 Menschen vermisst. Zudem gebe es 20 Verletzte, sagte Popal.

Popal forderte von der Bundesregierung die Einrichtung eines Entschädigungsfonds. Dass die Bundesregierung eine Entschädigung an die Opfer zahlen wolle, sei eine "weise Entscheidung" gewesen. Allerdings sei einer Witwe in Afghanistan mit der reinen Geldzahlung nicht geholfen. "Die Bundesregierung muss den Opfern der Angehörigen helfen und für sie Zukunftsperspektiven schaffen", sagte Popal.

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  • Es ist ja verständlich, daß der neuernannte verteidigungspolitische Sprecher der SPD, R. Arnold sich profilieren will, aber dann sollte er sich erst einmal informieren, bevor er mit seiner "Einschätzung" des bombardements auf die Tanklaster vor die Presse tritt! Jetzt weiß er schon mal, daß sich da auch vier Talibanführer bei den Tanklastern befunden hätten. Des Weiteren spricht er von über hundert Zivilisten, die betroffen sind. Es wäre ja interessant, von Herrn Arnold zu erfahren, welche Uniform die Taliban denn getragen hätten? bekanntlich kämpfen diese "Gotteskrieger" immer in Zivil. Jetzt wird dieser "Fachmann" noch recherchieren, wie viel Taliban letztlich umkamen. Warten wir mal ab!

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