Kurzarbeit
Jobs überleben die Krise

Deutschlands Unternehmen nutzen die Kurzarbeit, um Kosten in Milliardenhöhe zu sparen. Anders als in der Vergangenheit verzichten sie ausgerechnet in der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte auf Entlassungen im großen Stil. Die Kurzarbeit reduziert so nicht nur die Arbeitslosigkeit, sondern verbessert auch die Konzerngewinne.
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BERLIN/DÜSSELDORF. Dies zeigt sich nicht nur in einem überraschend kräftigen Rückgang der Arbeitslosenzahl im Oktober. Sie sank nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Monatsvergleich um 118 000 auf 3,23 Millionen. Auch die jüngsten guten Quartalszahlen aus der Industrie sind in Teilen ein Ergebnis der intensiven Jobsicherung per Kurzarbeit.

So überraschte der Autobauer Daimler im abgelaufenen dritten Quartal mit einem Gewinn von 56 Mio. Euro, nachdem die Autokrise im ersten Halbjahr noch einen Riesenverlust von 2,3 Mrd. Euro beschert hatte. Ausschlaggebend für die Trendwende ist ein im Mai begonnenes Sparprogramm. Es reduzierte die Kosten um 3,5 Mrd. Euro. Größter Sparposten ist die Kurzarbeit, die derzeit für 27 400 Mitarbeiter gilt. Angesichts der düsteren Perspektiven will Daimler 2010 noch mehr sparen.

Auch der schwer von der Krise getroffene Lkw-Hersteller MAN rettete sich im abgelaufenen Quartal dank Kurzarbeit in die schwarzen Zahlen. Bei den Münchenern arbeiten an den deutschen Standorten derzeit 12 000 Mitarbeiter kurz – mehr als ein Drittel der Belegschaft. MAN will die Kurzarbeit bis Ende 2010 verlängern.

Gelingt es den Unternehmen, die Auftragsflaute mit Kurzarbeit zu überbrücken, müssen sie keine Milliardenrückstellungen bilden, um Sozialpläne nach Entlassungen zu finanzieren. Diese gehen stets auf Kosten der Nettogewinne. Noch vor einem Jahr hatte der Mischkonzern Siemens mehr als eine Mrd. Euro an Restrukturierungskosten gebucht, das hatte seine Bilanz verhagelt. Solche hohen Einmalbelastungen gibt es in der aktuellen Bilanzsaison nicht.

Arbeitsmarkt verblüfft die Experten

Der befürchtete große Einbruch am Arbeitsmarkt ist weiterhin nicht in Sicht. Nach einer bereits unverhofft niedrigen Arbeitslosenzahl von 3,35 Millionen im September hat sich das statistische Bild im Oktober trotz Krise sogar noch zusätzlich aufgehellt. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) verzeichnete im Monatsvergleich einen Rückgang um 118 000 auf 3,23 Millionen Arbeitslose. Zwar ist eine Besserung in den Herbstmonaten üblich, doch fiel sie damit so kräftig aus wie seit 2006 nicht mehr. Selbst saisonbereinigt sank die Arbeitslosenzahl um mehr als 20 000.

Die Daten fielen damit positiver aus, als die Experten der BA vermutet hatten. Sie sprachen von einer „überraschend günstigen Entwicklung“. Zwar werde es im Winter „natürlich eine höhere Arbeitslosigkeit geben“, ergänzte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Die Marke von vier Millionen werde nun aber 2009 wohl nicht mehr überschritten. Zum Vergleich: Im Vorjahr war die Arbeitslosigkeit von ihrem Tiefpunkt im Herbst bis zum Maximum im Spätwinter um knapp 600 000 angestiegen.

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