Lafontaine attackiert die SPD
„Gerhard Schröder wollte wenigstens Kanzler werden“

Harte Kritik von links: Oskar Lafontaine hat der SPD fehlende Entschlossenheit vorgeworfen. Die Absage an eine Koalition mit der Linkspartei sei falsch. Der ehemalige SPD-Chef räumt aber auch eigene Fehler ein.
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MünchenDer frühere SPD-Chef Oskar Lafontaine hat seiner ehemaligen Partei mangelnden Machtwillen vorgeworfen. „Gerhard Schröder wollte wenigstens Kanzler werden, die drei von der heutigen Tankstelle allenfalls Minister“, kritisierte der Linken-Politiker Lafontaine in der „Süddeutschen Zeitung“ (Freitagsausgabe) die heutige SPD-Spitze um Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier. „Einer der größten Fehler ist es, den eigenen Wählern keine Perspektive auf die Macht zu geben - warum soll man eine solche Partei wählen, die nicht mal mehr den Kanzler stellen will?“

Lafontaine bezog sich dabei auf die Weigerung der SPD, bei der Regierungsbildung mit der Linkspartei zusammenzuarbeiten. „Die jetzige SPD-Führung will doch nichts wirklich“, sagte er. Das Wahlresultat der SPD bezeichnete er als „ein trauriges Ergebnis für die einst so stolze Volkspartei“. Lafontaine bot an, dass die Linkspartei eine rot-grüne Koalition unterstützen könnte.

Zu seinem spektakulären Abgang als SPD-Chef und Finanzminister 1999 sagte Lafontaine: „Ich habe machtpolitisch den Fehler gemacht, Finanzminister zu werden. Ich hätte Gerhard Schröder nicht zum Kanzlerkandidaten machen dürfen.“ Sein Rückzug sei möglicherweise falsch gewesen: „Vielleicht hätte ich SPD-Parteichef bleiben sollen, einfach, um die Regierungspolitik weiter zu beeinflussen.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Die drei von Tankstelle wollen nicht an die Macht, da hat Herr Lafontaine recht. Man könnte sie für schwarzgelbe Maulwürfe halten, die jetzt vor dem Problem stehen, dass es im Parlament eine linke Mehrheit gibt. Damit hatten sie nicht gerechnet. Jetzt drucksen sie herum, weil sie ja eigentlich unter Frau Merkel "dienen" wollten. Seit Schröder Kanzler wurde kann man die Sozialdemokratie in der Pfeife rauchen.

  • Lafontaine war zeitlebens ein Demagoge und wird es immer bleiben. Leider ist Deutschlands Geschichte voll von Demagogen, die das Land vor die Wand gesetzt haben, Fr. Wagenknecht.

  • Was ein Quatsch!
    Eine Partei die nicht regieren möchte und nicht ihre Ziele umsetzen möchte kann auch zu Hause bleiben, die haben schlicht nichts auf dem Wahlzettel verloren, basta!

    Schon seit geraumer Zeit formulieren die Sozialdemokraten, allerdings nur für das bedruckte Papier, ähnliche Ziele wie die LINKEN, wenn es dann aber darauf ankommt wollen sie einen extra auf ihre Vorstellungen abgestimmten Abstimmungsantrag im Bundestag nicht zusammen mit den LINKEN unterstützen. Sie stimmen dann sogar faktisch gegen ihre eigenen Beschlusslagen von Parteitagen. Der feudale Flügel der SPD verarscht wie gehabt damit die eigene Wahlklientel!

    Und Tatsache ist, keine Partei kann ohne Machtanspruch das geringste für die eigenen Wähler durch setzen, - selbst eine Frau Merkel schafft das nicht mit dem Werfen von Wattebäuschchen!

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