Zum Landtagswahlen 2016 Special von Handelsblatt Online

Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
Sellerings Amtsbonus hilft der SPD an die Spitze

Die SPD profitiert vom Amtsbonus ihres Spitzenkandidaten. Erwin Sellering traf den Nerv vieler Bürger, als er sich für eine schnelle Rentenangleichung einsetzte. Seinen Regierungspartner kann er sich aber kaum aussuchen.

SchwerinAls die SPD vor wenigen Wochen in den Umfragen in Mecklenburg hinter der CDU lag, blieb Erwin Sellering dennoch selbstbewusst. Der SPD-Ministerpräsident war sicher, dass sich am Wahltag genügend Wähler für den Mann entscheiden, der nach eigener Ansicht seit Jahren für verlässliche Politik steht – und somit seiner Partei zum Wahlsieg verhelfen wird. Kurz vor der Wahl scheint es, als ob Sellering recht behält

Die Sozialdemokraten dürften am Sonntag – wenn auch mit deutlichen Verlusten – im Schweriner Parlament die Nase vorn behalten. Die Partei profitiert nicht nur vom Amtsbonus ihres 66-jährigen Spitzenkandidaten. Die Spitzenkandidaten der politischen Gegner wie Innenminister Lorenz Caffier (CDU) oder Linkspartei-Fraktionschef Helmut Holter können Sellering nicht annähernd das Wasser reichen, wenn es um die Sympathiepunkte bei den Wählerumfragen geht.

Anders als vor fünf Jahren wird Sellering sich den Regierungspartner nach der Wahl aber wohl kaum aussuchen können. Er ist ein Freund stabiler Verhältnisse. Das hieße, dass er mit der CDU weiter regiert, weil es für ein Bündnis mit der Linkspartei kaum reichen wird. Rot-Rot-Grün ist für Sellering in Mecklenburg-Vorpommern keine Alternative. Die Chemie zwischen ihm und den führenden Vertretern der Grünen stimmt nicht.

Sellering gilt als jovial, freundlich und charmant. Die Mecklenburger und Vorpommern scheinen ihm nicht übel zu nehmen, dass er Westfale ist und kein Plattdeutsch kann. Politisch gilt er als Pragmatiker, bundespolitisch hält er sich meist zurück.

Den Nerv vieler Bürger traf er allerdings, als er sich für eine schnellere Rentenangleichung stark machte oder als einer der ersten Politiker die Sanktionen gegen Russland infrage stellte. Für Schlagzeilen sorgte er schon vor Jahren, als er erklärte, die DDR sei kein Unrechtsstaat gewesen, in dem es überhaupt nichts Gutes gegeben habe.

Sellering wurde 1949 in Sprockhövel in Westfalen geboren. Nach dem Jurastudium in Heidelberg, Bochum und Münster wurde er Verwaltungsrichter in Gelsenkirchen. 1994 kam er mit seiner damaligen Frau und den beiden Töchtern nach Greifswald, wo er zwei Jahre später zum Vizepräsidenten des Verwaltungsgerichts aufstieg. Inzwischen ist er in zweiter Ehe mit seiner 26 Jahre jüngeren Frau Britta verheiratet. Die beiden haben einen Sohn, den Sellering regelmäßig vom Kindergarten abholt.

Der Regierungschef trat erst in Mecklenburg-Vorpommern in die SPD ein. Im Jahr 2000 berief ihn der damalige Regierungschef Harald Ringstorff zum Justizminister seiner rot-roten Regierung. In der 2006 begonnenen Koalition aus SPD und CDU wechselte Sellering ins Sozialministerium, bevor er Ringstorff 2008 politisch beerbte.

Die Frage, ob er bis zum Ende der kommenden Legislaturperiode im Amt bleiben will, beantwortete Sellering bislang nicht. Möglicherweise gibt er den Staffelstab nach zwei oder drei Jahren an einen Nachfolger weiter. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig wie auch Landesenergieminister Christian Pegel gelten als politische Ziehkinder Sellerings.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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