Lehrerverband: Windig und unseriös
OECD-Studie empfiehlt Leistungskontrollen bei Lehrern

Die Lehrer in Deutschland sind laut einer OECD-Studie hoch bezahlt, zu alt und fortbildungsunwillig. Der Lehrerverband wies die Untersuchung als unseriös zurück.

HB BERLIN. Die Leistungen deutscher Lehrer sollen in Zukunft evaluiert werden, damit die Pädagogen sich für ihre Arbeitsergebnisse stärker verantwortlich sehen. Das ist laut einem Bericht des «Tagesspiegels» eine der OECD-Empfehlungen, die am Mittwoch veröffentlicht werden, wenn die Kultusminister den deutschen Teil der internationalen Lehrerstudie vorstellen.

Der Befund der Experten über die deutsche Lehrerschaft ist im wesentlichen schon vor fast einem Jahr durch einen Zwischenbericht bekannt geworden. Darin schreiben die Experten, sie hätten nichts beobachtet, «was hierzulande nicht schon länger bekannt ist». Gelobt wird demnach die «Offenheit von Schulen gegenüber Reformen» und dass Schulleiter hierzulande «meistens ausgezeichnete Pädagogen» seien sowie angehende Lehrer im vorbereitenden Referendariat sowohl praktisch als auch theoretisch geschult würden.

Bei der Lehrerausbildung wird laut «Tagesspiegel» positiv vermerkt, dass die Studiengänge in vielen Bundesländern auf die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse umgestellt werden. Kritisch hätten die Experten jedoch vermerkt, dass es im deutschen Bildungssystem noch keine Rechenschaftslegung der Lehrer und der verantwortlichen Verwaltung gebe. Damit könne aber nicht nur die Qualität des Unterrichts, sondern auch das Image der Lehrer gesteigert werden, hieß es. Auch befänden sich «hochengagierte Kollegien in einem unflexiblen System von Verwaltung und Besoldung».

Kritisiert wird zudem das Alter deutscher Lehrer. Nur in Italien seien Pädagogen im Durchschnitt noch älter, zitiert die Zeitung «Die Welt» aus der Untersuchung. Weiter heißt es laut dem Bericht, Lehrer in der Bundesrepublik würden im internationalen Vergleich sehr hoch bezahlt. Sie zeigten aber nur geringe Bereitschaft zur Fortbildung.

Die OECD empfiehlt die Aufhebung des Beamtenstatus. Zudem sollte die Ausbildung kürzer und praxisnäher gestaltet werden. Auch die Fortbildung sei besser zu fördern.

Baden-Württembergs Kultusministerin Annette Schavan (CDU) sieht sich durch die Studie in ihren Reformbemühungen bestätigt. «Das, was an Empfehlungen drinsteckt, bestätigt die Reformschritte in Baden-Württemberg im Bereich der Lehrerbildung», sagte sie laut «Welt». Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, dagegen hält die Basis der Studie für «äußerst windig und unseriös». Er räumte aber laut der Zeitung ein, dass es Probleme beim Lehrernachwuchs gebe.

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