Liberale in Not
Top-Manager stellen FDP mieses Zeugnis aus

Der Handelsblatt Business-Monitor zeigt: Spitzenmanager sind von der Arbeit der Koalition enttäuscht. Den Frust bekommt vor allem die FDP zu spüren. Die Wirtschaft fürchtet Nachteile durch politische Zickzackkurse.

Frankfurt/BerlinDie Rechnung der FDP, mit Steuersenkungen ihr ramponiertes Image zu verbessern, geht nicht auf. Im Gegenteil: Selbst ihre Kernwählerschaft, die Führungsetage der deutschen Wirtschaft, ist von den Liberalen maßlos enttäuscht. Nicht weniger als 90 Prozent der Führungskräfte sind nach eigenen Angaben unzufrieden mit der Leistung, die die FDP seit dem Start der schwarz-gelben Koalition erbracht hat. Das verdeutlicht der Handelsblatt Business-Monitor.

Für die repräsentative Umfrage im Auftrag des Handelsblatts hat das Hamburger Marktforschungsinstitut Psephos in den zurückliegenden gut zwei Wochen fast 800 Führungskräfte in Deutschland befragt. Mit Abstand am schlechtesten schneidet der ehemalige Parteichef Guido Westerwelle ab: 87 Prozent der Manager geben an, sie seien nicht zufrieden mit der Arbeit des Außenministers. Über den neuen Parteivorsitzenden und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler - seit Mai hat er beide Ämter inne - traut sich ein Drittel noch kein Urteil zu. Mit 38 Prozent ist schon jetzt eine relative Mehrheit enttäuscht von dem neuen Mann an der FDP-Spitze. Aber hier beherrscht noch Neugierde das Bild. Rösler ruft mit seiner ausgleichenden Art nicht in gleicher Weise die Kritiker auf den Plan wie sein Vorgänger Guido Westerwelle.

Dem Hüter der Haushaltskonsolidierung, Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), geben die Führungskräfte dagegen volle Rückendeckung für seinen strikten Sparkurs. 85 Prozent sind zufrieden mit der Arbeit des Mannes, der für die Sanierung des Staatshaushalts kämpft. Bei den Managern, die jünger als 40 Jahre sind und deren Generation ein besonders großes Interesse an der Konsolidierung des Staatsetats hat, sind sogar 94 Prozent der Meinung, Schäuble mache einen guten Job.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Spitzenmanager, die regelmäßig für den Handelsblatt Business-Monitor befragt werden, dafür plädiert, Maßnahmen zum Schuldenabbau sollten oberste Priorität in der Regierungspolitik haben. Damals hatten 82 Prozent für den Abbau der Staatsschulden plädiert, gerade einmal 16 Prozent setzten sich für Steuersenkungen ein.

"Die Führungskräfte sprechen sich sehr für sachorientierte Politiker aus, die ihrer Linie treu bleiben", sagt der Chef des Psephos-Instituts, Hans-Jürgen Hoffmann. Dass die FDP nun wieder den "Dauerbrenner" Steuersenkung hervorhole, in der wahrscheinlich vergeblichen Hoffnung, hiermit Punkte in der Wählergunst gutzumachen, erhöhe offenbar nicht die Glaubwürdigkeit der Liberalen. "Das wird wohl eher als Defizit aufseiten der FDP gewertet, für aktuell brennende Fragen wie die Energiewende und die EU-Schuldenkrise eigene, überzeugende Antworten zu entwickeln und in die Regierungspolitik einzubringen", sagte der Marktforscher.

Die Position der Liberalen wird zusätzlich dadurch geschwächt, dass selbst aus der eigenen Partei Kritik an ihrem Kurs kommt: Bei den Bemühungen um Steuersenkungen geht FDP-Chef Rösler bereits der erste Landesverband von der Fahne. "Der Bund kann nicht mit der Unterstützung Schleswig-Holsteins im Bundesrat rechnen, falls dies zulasten unseres Landes gehen sollte", sagte der schleswig-holsteinische FDP-Chef Wolfgang Kubicki dem Handelsblatt.

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