Lob für den Standort D – und Plädoyer für Merkel
„Economist“ wirbelt den Wahlkampf auf

Eine knappe Viertelstunde lässt Gerhard Schröder verstreichen, dann erst spielt er im ZDF-Interview mit Maybritt Illner Ende vergangener Woche sein größtes Ass aus: "Ich habe Ihnen das mal mitgebracht", sagt der Kanzler und kramt einen Bericht über die Titelstory des neuen "Economist" hervor.

DÜSSELDORF. Das Magazin, doziert der Kanzler, "hat festgestellt, dass durch die Reformen, die wir eingeleitet haben, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft mit der Chance, sich auf den Weltmärkten besser als je zuvor zu behaupten, enorm gewachsen ist." Illner staunt: "Sie haben was mitgebracht, ich werde verrückt . . .", sagt sie nur.

Die Bundesregierung handelt schnell: Laut "Welt am Sonntag" kauft sie 500 Exemplare des Magazins und verschickt sie an Journalisten in Berlin. Auch auf der Webseite der Regierung ist der Magazin-Beitrag das Top-Thema.

Schließlich widerspricht er mit seinem positiven Tenor der grundlegenden Wahlkampfthese der Union - dass Deutschland unter Kanzler Schröder vollständig heruntergewirtschaftet wurde. "Die sozialen, wirtschaftlichen und finanziellen Fundamente unseres Landes sind akut gefährdet", warnt die Union in ihrem Wahlprogramm. Und: "Die sieben Jahre von Rot-Grün waren sieben verlorene Jahre für die Zukunftssicherung unseres Landes."

Tatsächlich kommt der "Economist" zu einem ganz anderen Urteil: Deutschland "geht es besser als Frankreich oder Italien, zum Teil dank der jüngsten Reformen", schreibt das Blatt. "Auf ein Mal erscheint Deutschland relativ gesund, und es gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus, dass die Dinge noch besser werden können."

Als zentrale Argumente führt die Zeitschrift auch - aber längst nicht nur - die Agenda 2010 an. Diese habe bereits "einige positive Ergebnisse". Die "radikalste Maßnahme" sei Hartz IV, die das Leben für Langzeitarbeitslose "unbequemer" mache. Zwar habe dies keine neuen Jobs geschaffen. Positiv sei, dass Hartz IV indirekt die Macht der Gewerkschafen schwäche. "Bei den Arbeitnehmern hat Hartz IV die Angst vor den Folgen von Arbeitslosigkeit erhöht - und dadurch die Verhandlungsposition der Arbeitgeber in Lohnverhandlungen gestärkt."

Neben der Politik werden aber auch die Fortschritte, die deutsche Unternehmen in den vergangenen Jahren gemacht haben, hervorgehoben. Durch eine erfolgreiche Restrukturierung hätten sie ihre Kosten gesenkt und ihre Profitabilität erhöht. Das Flächentarif-System sei brüchig geworden, die Beschäftigten in Deutschland akzeptierten längere Arbeitszeiten und sogar Gehaltskürzungen. Durch die moderate Lohnpolitik seien die Lohnstückkosten im internationalen Vergleich "deutlich gefallen".

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