Lohnentwicklung
Verdi beklagt Lücke zur Privatwirtschaft

Verdi will die Lohnschere zwischen öffentlichem Dienst und der Privatwirtschaft schließen. Ob es die Schere gibt, ist allerdings umstritten. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts deuten zumindest darauf hin.
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Der öffentliche Dienst hat Nachholbedarf - das meint zumindest die Gewerkschaft Verdi. Die Schere zwischen den Einkommen in der Privatwirtschaft und dem öffentlichen Dienst habe sich in den vergangenen Jahren viel zu weit geöffnet und müsse jetzt geschlossen werden, betont Verdi-Chef Frank Bsirske unermüdlich. Darum fordert seine Organisation für die Staatsbediensteten 6,5 Prozent mehr Lohn - also genau so viel wie die IG Metall für die florierende Metallbranche.

Ob es diese Schere gibt, ist allerdings strittig. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind die Tarifgehälter im öffentlichen Dienst seit 2000 um 23,8 Prozent gestiegen, in der Metallindustrie um 31,4 Prozent und in der Chemiebranche um 31,7 Prozent. Die kommunalen Arbeitgeber verweisen darauf, dass die Effektivverdienste - also Tarifgehalt plus übertarifliche Zulagen - im öffentlichen Dienst etwa im Gleichschritt mit den Gehältern der Gesamtwirtschaft gestiegen seien.

Die unteren Tarifgruppen im öffentlichen Dienst sollen nach dem Wunsch von Verdi mindestens 200 Euro im Monat dazubekommen. Für die unterste Tarifstufe im öffentlichen Dienst, aktuell 1 448,79 Euro im Monat, wären dies fast 14 Prozent mehr. Damit beläuft sich die von der Verdi-Tarifkommission beschlossene Forderung für die etwa zwei Millionen Arbeitnehmer der Kommunen und des Bundes nach Berechnungen der kommunalen Arbeitgebervereinigung VKA unter dem Strich auf durchschnittlich acht Prozent. Außerdem fordert Verdi ebenso wie die IG Metall, dass Auszubildende nach ihrem Abschluss unbefristet angestellt werden.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) warnt Verdi, dass übermäßige Tariferhöhungen einen heftigen Personalabbau und Privatisierungen in den Kommunen auslösen könnten. Die Beschäftigten seien zwar nicht schuld an der Haushaltsmisere der Kommunen, aber Tariferhöhungen könnten nicht durch Kredite finanziert werden.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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