Lohnforderung im öffentlichen Dienst
Verdi gibt sich moderat

Auf den ersten Blick kommt die Tarifforderung für den öffentlichen Dienst milde daher: Während die Chemie-Gewerkschaft in ihrer Industrie bis zu sieben Prozent mehr Einkommen durchsetzen will, beginnt das Forderungspaket von Verdi mit einer Zielmarke von gerade einmal drei Prozent. Bei genauerem Hinsehen relativiert sich diese Differenz jedoch.
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BERLIN. Denn neben den drei Prozent sollen die knapp 600 000 Beschäftigten der Bundesländer zudem einheitlich 50 Euro pro Monat mehr erhalten. So hat es Verdi am Dienstag gemeinsam mit der Tarifunion des Beamtenbundes (DBB) beschlossen.

In der Durchschnittsbetrachtung summiert sich die Forderung damit auf etwa fünf Prozent. Bei den unteren Gehaltsstufen für einfache Tätigkeiten, die bei knapp 1 500 Euro Monatslohn beginnen, macht sie jedoch fast 6,5 Prozent aus – denn dort fallen die 50 Euro prozentual erheblich stärker ins Gewicht. Im Ergebnis zielt die Forderung deshalb auch darauf, die Lohnabstände zwischen einfachen und höher qualifizierten Tätigkeiten im öffentlichen Dienst zu verringern.

Mehrkosten von 1,4 Milliarden Euro

„Kostensteigerungen bei Energie, Lebenshaltung und Gesundheit treffen alle Beschäftigten – dafür dient der Sockelbetrag als sozialer Ausgleich“, begründete Verdi-Chef Frank Bsirske die Marschroute für die Tarifverhandlungen, die im Februar beginnen. Etwas anders argumentierte der Chef der DBB-Tarifunion, Frank Stöhr: „Ohne ein deutliches Einkommensplus und verbesserte Entwicklungsperspektiven“ werde für den öffentlichen Dienst „der Wettbewerb mit der Privatwirtschaft um den Nachwuchs nicht zu gewinnen sein“, sagte er.

Die öffentlichen Arbeitgeber zeigen indes für keines der Argumente Verständnis: Sie verweisen auf leere Kassen und rechnen vor, dass die vorliegende Forderung die Etats der Länder um mindestens 1,4 Milliarden Euro pro Jahr belasten würde. Bei einer analogen Gehaltserhöhung für die Beamten steige die Mehrbelastung sogar auf rund 4,5 Milliarden Euro an.

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