Luft-Boden-Schießplatz
Wulff liefert sich Bombodrom-Streit mit Jung

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hat sich enttäuscht gezeigt über die Entscheidung von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (beide CDU) zur Schließung des Bombodroms in Brandenburg. Er forderte nun von seinem Parteikollegen auch die Schließung des Luft-Boden-Schießplatzes „Nordhorn Range“ in Niedersachsen. Doch Jung zeigt ihm die kalte Schulter.

HB BERLIN. „Wir erwarten die Verlagerung der Einsätze ins Ausland und in Simulatoren und damit die Aufgabe unseres Platzes“, sagte Wulff der Zeitung „Die Welt“ vom Montag. Da die Bundeswehr durch die Aufgabe des Bombodrom-Plans eine gleichmäßige Lastenverteilung verhindert habe, sei nichts anderes vertretbar, erklärte Wulff.

Die Bundesregierung wies Forderungen nach der Schließung weiterer Luftwaffen-Übungsplätze in Deutschland zurück. Es sei allgemein bekannt, dass die Luftwaffe Übungsplätze gerade im Hinblick auf Auslandseinsätze benötige, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe. Übungsmöglichkeiten sollten auch in Deutschland vorgehalten werden.

Raabe wies darauf hin, dass derzeit bereits 75 Prozent aller Übungen im Ausland stattfänden. 2007 habe es insgesamt 1 650 Einsätze gegeben, im niedersächsischen Nordhorn dagegen nur 318, im bayerischen Siegenburg 95. Der Sprecher von Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) sagte zudem, die Übungsplätze seien auch durch Simulationen nicht einzusparen. Jeder Pilot würde sagen, dass der Echtbetrieb gerade bei schwierigen Manövern nötig seien.

Bayern will an dem umstrittenen Bombenabwurfplatz im niederbayerischen Siegenburg festhalten. Die Bundeswehr müsse notwendige Übungsmöglichkeiten haben, sagte Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU). Die Staatskanzlei werde nun mit dem Bund und den US-Streitkräften über die weitere Nutzung Siegenburgs reden. Eine stärkere Belastung für die Bürger dürfe es aber nicht geben. Niederbayerische Politiker hatten zuvor nach dem Verzicht des Bundesverteidigungsministeriums auf das „Bombodrom“ auch eine Schließung von Siegenburg verlangt.

Jung hatte am Donnerstag nach jahrelangem Streit seine Pläne für den Bombenabwurfplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide im Norden Brandenburgs aufgegeben. Wulff, der sich enttäuscht über Jungs Entscheidung zeigte, hatte laut „Welt“ zuvor in einem Brief den Verteidigungsminister gebeten, nicht von den Bombodrom-Plänen Abstand zu nehmen. Ansonsten könne „von einer gleichmäßigen, regional ausgewogenen Verteilung der Lasten nicht die Rede sein“.

Nun befürchtet Wulff, dass die „Nordhorn Range“ verstärkt von der Bundeswehr genutzt wird, was die Lärmbelästigung für die Menschen in der Region erhöhen würde.

Auch die Anrainergemeinden der deutschen Luftwaffen-Übungsplätze in Nordhorn und Siegenburg hatten ein Ende der Tiefflüge gefordert. Die Linke forderte, die beiden Übungsplätze sollten geschlossen werden. „Der Lärm und das Risiko von Fehlabwürfen oder Flugzeugabstürzen über besiedelten Regionen ist den Menschen nirgends zuzumuten“, erklärte Linken-Politikerin Kirsten Tackmann.

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