Machtkampf
Thüringen-CDU: Bernhard Vogel zurückholen

In der thüringischen CDU droht ein Machtkampf um die Nachfolge des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Dieter Althaus. Erst provozierte Althaus' bisherige Stellvertreterin einen Affront, nun haben Gerüchte die Runde gemacht, der früheren Regierungschef Bernhard Vogel könne zurückkehren.

HB ERFURT/BERLIN/DÜSSELDORF. Unter Berufung auf CDU-Kreise berichtet die "Rheinischen Post", dass Mitglieder der Landtagsfraktion um den Fraktionsvorsitzenden Mike Mohring erwägen, den früheren Regierungschef Bernhard Vogel als Übergangs-Ministerpräsidenten für eine große Koalition nach Erfurt zu holen. Der 76-jährige Vogel ist derzeit Chef der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung.

Mit Spannung wird nun die vorübergehende Rückkehr des zurücktretenden thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU) am heutigen Dienstag erwartet. Er hatte angekündigt, die Kabinettssitzung leiten zu wollen und sein Mandat im Erfurter Landtag anzunehmen. Daraufhin schlug am späten Montagabend seine bisherige Stellvertreterin in der Landes-CDU, Finanzministerin Birgit Diezel, die Sozialministerin Christine Lieberknecht als Ministerpräsidentin vor. Wie Althaus auf diesen Schritt, der als Affront zu verstehen ist, reagieren wird, ist ungewiss.

Althaus war am vergangenen Donnerstag "mit sofortiger Wirkung" zurückgetreten und hatte damit die Konsequenzen aus der Wahlniederlage gezogen. Die Amtsgeschäfte hatte er seiner Stellvertreterin Diezel übertragen. Die CDU hatte bei der Landtagswahl am 30. August knapp zwölf Prozentpunkte verloren und nach zehn Jahren ihre absolute Mehrheit eingebüßt. Sie kann jetzt nur noch mit Hilfe der SPD weiterregieren.

Nach der Thüringer Verfassung bleibt Althaus im Amt, bis ein neuer Regierungschef gewählt ist. Die Übertragung der Geschäfte auf seine Stellvertreterin gilt nur, solange er nicht selbst wieder in Aktion tritt - was heute geschehen soll.

Diezel, Vorsitzende der CDU-Verhandlungskommission bei den Sondierungsgesprächen mit der SPD, begründete die Lieberknecht-Entscheidung mit dem Interesse an einer stabilen Regierung in Thüringen. "Es geht um eine pragmatische Entscheidung ohne Eitelkeiten." Lieberknecht gilt bei der SPD, mit der am Donnerstag ein zweites Sondierungsgespräch geführt werden soll, als favorisierte Kandidatin für das Ministerpräsidentenamt bei einer schwarz-roten Koalition. Vielen CDU-Fraktionsmitgliedern gelten Lieberknecht und Diezel indes als "zu liberal". Sie seien nicht geeignet, eine schwarz-rote Regierung zu führen, hieß es.

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