Marine zu Libanon-Einsatz ausgelaufen
Abschied mit Zwischenfall

„Leinen los“ in Wilhelmshaven: Mit dem Ablegen der Fregatte „Karlsruhe“ hat am heutigen Donnerstag der Nahost-Einsatz der deutschen Marine begonnen. Verteidigungsminister Franz Josef Jung verabschiedete die 1000 Bundeswehr-Soldaten zu ihrer Mission vor der libanesischen Küste. Zuvor hatte ein Zwischenfall für Aufregung am Kai gesorgt.

HB WILHELMSHAVEN. Es sei ein "historischer Tag" für die Marine, sagte Jung vor den Soldaten am Überseekai in Wilhelmshaven. Der Verteidigungsminister würdigte die Beteiligung der Bundeswehr an der Uno-Friedenstruppe Unifil als wichtigen Auftrag zur Sicherung des Friedens in der Region. Angehörige verabschiedeten sich teils unter Tränen von den Soldaten. Um 12.45 Uhr Uhr hieß es: Leinen los.

Der Bundestag hatte am am gestrigen Mittwoch grünes Licht für die Mission gegeben. Die Abstimmung im Parlament stelle für die Soldaten eine "klare und deutliche Unterstützung" dar, sagte Jung. Der Marineverband, der heute zu seiner Mission aufbrach, besteht aus acht Schiffen. Sie werden in 10 bis 14 Tagen vor der libanesischen Küste erwartet. Laut Mandat kann die Bundeswehr bis zu 2400 Männer und Frauen der internationalen Mission mit insgesamt 15 000 Soldaten zur Verfügung stellen.

Der größte Marineeinsatz in der Geschichte der Bundeswehr hatte mit einem Zwischenfall begonnen. Noch vor Beginn der Auslaufzeremonie musste am Vormittag der Befehl "Mann über Bord" gegeben werden: Ein Fotograf, der Jung beim Betreten der Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" ablichten wollte, stürzte vom Pier in das Hafenbecken. Ein Rettungsteam zog ihn völlig durchnässt und verletzt aus dem Wasser.

Hauptaufgabe des maritimen Einsatzverbandes der Uno-Friedenstruppe ist es, das Seegebiet vor der libanesischen Küste zu überwachen sowie Waffenschmuggel in den Libanon zu unterbinden. Jung betonte vor den Soldaten erneut: „Dies ist kein Einsatz ohne Risiko.“ Er wies aber zurück, dass er die Männer und Frauen auf einen Kriegsschauplatz schicke. Es gehe um Friedenssicherung. Das sei auch im deutschen Interesse.

Der deutsche Kommandeur des internationalen Marine-Verbandes, Flottillenadmiral Andreas Krause, sagte, mit diesem Uno-Einsatz betrete die Marine Neuland. Er sei aber sicher, „dass uns in diesem Einsatz nichts begegnen wird, mit dem wir nicht fertig werden können“.

Der israelische Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, bezeichnete im Berliner „Tagesspiegel“, Warnungen vor einer Konfrontation von deutschen und israelischen Soldaten als unbegründet. „Ich sehe diese Gefahr nicht, weil dieses Szenario völlig theoretisch ist“, sagte Stein. Die deutschen Soldaten würden nicht an der libanesisch-israelischen Grenze eingesetzt, sondern leisteten ihren Dienst zur See.

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