Max-Josef Strauß
„Der politische Betrieb ist wie ein Pudding“

Lange hat der Sohn von CSU-Übervater Franz Josef Strauß wegen seiner „schwierigen Vorgeschichte“ geschwiegen. Doch angesichts des Euro-Krisenmanagements der Kanzlerin und der CSU platzt Max Josef Strauß der Kragen.
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Handelsblatt Online: Herr Strauß, Sie posten neuerdings Ihre Sicht auf die Eurokrise via Facebook in die Öffentlichkeit. Ist das für Sie die zeitgemäße Form  politischer Betätigung?

Es ist auf jeden Fall authentischer als alles andere. Sie bekommen doch heute ansonsten nur noch eine gedrechselte Form der Wahrheit serviert. Sie kriegen den Schönsprech. Niemand mehr analysiert das Problem, sondern jeder betont die Vorteile seiner Lösung im Politmarketing-Deutsch der schönen Sprüche unter vollständiger Weglassung der Nachteile und Probleme. Damit gibt es keine ehrliche Diskussion mehr. Kommunikation verliert ihre Funktion. Wir reden aneinander vorbei.

Indem wir Journalisten ihre Facebook-Einträge scannen, müssen Sie aber auch da aufpassen, was Sie sagen …

… ich habe im Gegensatz zu Politikern einen großen Vorteil: Ich muss ja nicht gewählt werden. Für mich gibt es keinen D-Day. Ich kann farbiger formulieren, ohne dass ich gleich ganz furchtbare Bestrafungen fürchten müsste.

Dann sagen Sie doch mal ein farbiges Wort zum Euro-Problem und Griechenland!

Meine Kritik ist, dass unsere Form der Rettung in Griechenland ganz offensichtlich nicht funktioniert. Ich gehe heute davon aus, dass vielleicht nicht Ministerpräsident Papademos, aber der seit Jahrzehnten regierende Sumpf unterstützt von den Reichen und von den Steuerhinterziehern ganz gezielt auf die Wiedereinführung der Drachme hinarbeitet.

Wie kommen Sie darauf?

Am 20. Oktober 2009 gestand die neue sozialistische Regierung ein, dass jahrelang die Zahlen gefälscht und somit Europa wie die Anleihegläubiger massiv getäuscht wurden. Seitdem ist de facto herzlich wenig passiert. Alle Kürzungen und Sparmaßnahmen betreffen die kleinen Leute und den Normalbürger. Die Reichen haben ihr Geld ins Ausland gebracht, die fehlenden Einlagen der griechischen Banken wurden durch die EZB und europäische Zentralbanken ersetzt. Die Schulden in Griechenland wachsen, die Wirtschaft schmiert ab, Mittelschicht und kleine Leute werden finanziell fast abgewürgt.

Und dann wird vielleicht auch noch die Drachme eingeführt . . .

. . . dann verlieren Mittel- und Unterschicht nochmals massiv an Vermögen und Erspartem, der Grieche bekommt eine drittklassige Währung und die Auslandsgläubiger erhalten Drachmen statt Euro. Sie bezahlen damit das ganze Desaster in der Höhe von Hunderten von Milliarden Euro, was zum allergrößten Teil zu Lasten der Staatskasse geht. Wenn man versuchen sollte, die Auslandsforderungen weiter auf Euro lauten zu lassen, bricht das griechische Bankwesen sofort zusammen, was zum selben Abschreibungsbedarf der Ausländer führt. Ein paar Jahre nach einer Währungsumstellung  investieren die Griechen mit Auslandsvermögen wieder in Griechenland, wenn es schön billig ist. Das ist eine massive Umverteilung von unten nach oben, von den weniger Vermögenden an die Reichen und Steuerhinterzieher.

Kommentare zu " Max-Josef Strauß: „Der politische Betrieb ist wie ein Pudding“"

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  • Gefällt mir. Endlich mal einer, der die Probleme anspricht. Der große Teil unserer Macht und Geld orientierten Politker sind satt und möchten sich
    bloss nicht mit Problemen auseinandersetzen, geschweige denn wirklich etwas angehen oder Ändern.
    Es sei denn, es ist für den eigenen Vorteil. Das Schlimmste, alle sagen: " ...der / die hat das schlecht gemacht, ich kann es besser!". Die Aussage "WIE" bleibt meistens aus. Bei Nachfrage weisen sie nur noch schärfer auf die Fehler Anderer, um vom eigenen Unverögen abzulenken (bestes Beispiel zur Zeit: die FDP).

    Für mich ist es schlimm, dass wir als Politiker nur noch Schauläufer, Showbiker und Söldner haben. Diese Art der Politiker fördert eine Radikalisierung, die wir schonmal in Deutschland hatten und die niemand mehr wirlich will.

    Es kommt die Zeit der Wende. Derzeit können wir noch steuern wohin. Es werden dringend wieder echte Vorbilder benötigt, die die Macht der Banken und des Geldes
    begrenzen. Menschen Grenzen aufzeigen. Es wird eine Politik für das ganze Volk, besonders für die normal arbeitenden kleinen Leute, gebraucht.

  • Eurocrash,
    warum sollten wir Bürger uns mit dem Verlust von Milliarden abfinden?
    Aber hallo, da gibt es eine klare Entscheidungskette.
    Es sollte doch ein Leichtes sein, all die Bundestagsabgeordneten beim Namen zu nennen, die den diversen Rettungspaketen für die Griechen zu gestimmt haben.

    Und all diesen Leuten gehört der Prozess gemacht. Und wenn die von den Steuerzahlern bezahlte Justiz nicht mitmacht, dann müssen beherzte Bürger die Sache selbst in die Hand nehmen.

    Es muß endlich Schluß damit sein, daß Verzagtheit der Bürger dem Gesindel in Berlin in die Karten spielt. Es ist Zeit, NEIN zu sagen!

  • Leider haben Möchte-Gern Realisten wie Sie eine unterkomplexe und auf das Ökonomische reduzierte Sichtweise der Dinge. Schon Ludwig Erhard wusste: Wirtschaft ist 50% Psychologie. Wenn Sie Korruption in Griechenland abschaffen wollen, bedeutet dies. dass Sie sogenannte "Incentives" bzw. Belohnungsmechanismen installieren müssen, damit dies geschieht. Im derzeitigen griechischen System wird korruptes Verhalten belohnt und zwar bei jedem Marktteilnehmer (allerdings mehr oder weniger, sodass am Ende die "Nicht-Elite" des Staates doch den Kürzeren zieht aber erpressbar bleibt da ebenfalls Dreck am Stecken).
    Wenn man wissen will wie man psychologisch geschickt schlechte Angewohnheiten in einem Land verändern kann, dann sollte man sich anschauen wie Deutschland nach 45 mit Unterstützung der USA dem Nationalsozialismus den Boden entzogen wurde: wirtschaftlicher Aufschwung, soziale Mobilität und Gestaltungsfreiheit. Das sind echte Incentives. Die Hauptbarriere eines analogen Vorgehens in Griechenland ist die derzeitige Elite die sich eines kollektiven Betrugs schuldig gemacht hat (am Volk und an ihren europäischen Nachbarn). Da in jeder Gesellschaft (wie in jeder Organisation oder Firma) die Führung die Verantwortung zu übernehmen hat, ist es nur folgerichtig sie zu entmachten (was in Griechenland einer Enteignung gleichkommt - hat nichts mit Marxismus zu tun, aber irgendwoher muss das Geld ja kommen, um die Schulden zu bezahlen). Der positive Nebeneffekt ist, dass in Griechenland die bislang aufgrund ihrer Geburt weniger Priviligierten (aber vielleicht Leistungsfähigeren) die Chance erhalten einen Neu-Start hinzulegen. Die Incentives sind: wirtschaftlicher Aufschwung, soziale Mobilität und Gestaltungsfreiheit. Wie in Deutschland nach 45 wird das aber 1-2 Jahrzehnte dauern - unter Oberaufsicht der EU


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