Medienbericht
Schleswig-Holsteins CDU-Chef hört komplett auf

Am Montagabend war bekanntgeworden, dass de Jager als Landesvorsitzender der CDU zurücktreten will. Nun sickert durch, dass er sich vollständig aus der Politik zurückziehen will. Eine Pressekonferenz soll aufklären.
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KielSchleswig-Holsteins CDU-Chef Jost de Jager will nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wohl komplett aus der aktiven Politik aussteigen. Der 47-Jährige wird demnach auch nicht im März für Platz eins der Landesliste zur Bundestagswahl kandidieren.

Am Montagabend war bekanntgeworden, dass de Jager als Landesvorsitzender zurücktreten will. Dazu wird im Laufe des Tages eine Erklärung des CDU-Politikers erwartet. Am späten Vormittag berät in Kiel der geschäftsführende Landesvorstand, danach gibt es eine Pressekonferenz.

Wer neuer Vorsitzender der Nord-CDU werden könnte, ist noch völlig ungewiss. Erst Ende November wurde der Ex-Wirtschaftsminister als CDU-Landesvorsitzender wiedergewählt, aber er bekam kaum 80 Prozent - zu wenig, um alle Debatten verstummen zu lassen. Nun steckt die CDU wieder in einer veritablen Führungskrise.

Mit de Jagers Rückzug beginnt für die Nord-CDU das neue Jahr so schlecht, wie das alte für sie gelaufen war. Bei der Landtagswahl im Mai flog die Partei nach sieben Jahren aus der Regierung. De Jager persönlich kam als CDU-Spitzenkandidat nicht in den Landtag, weil er kein Direktkandidat für das Landesparlament war und die Landesliste seiner Partei, deren Nummer eins er war, nicht zum Zuge kam.

Dann entschloss sich de Jager zu einer Bundestagskandidatur, um nicht ohne jedes Parlamentsmandat und Regierungsamt zu bleiben. Er schaffte es nur mit Ach und Krach, zum Direktkandidaten für die Bundestagswahl gewählt zu werden. De Jager setzte sich im Wahlkreis Flensburg-Schleswig in einer Kampfabstimmung nur äußerst knapp gegen eine unbekannte Kommunalpolitikerin durch. Ende November holte er bei seiner Wiederwahl zum Landesvorsitzenden nur rund 80 Prozent - zu wenig, um alle Diskussionen um seine Führung zu beenden.

Landesvorsitzender und Spitzenkandidat wurde de Jager 2011 ohnehin nur, weil Christian von Boetticher als Konsequenz aus einer Beziehung zu einer Minderjährigen seine Ämter aufgeben musste. Nun steht die Nord-CDU vor einem weiteren Neuanfang an der Spitze.

In Kiel ist Johannes Callsen als Vorsitzender der Landtagsfraktion die Nr.1. Viel personelle Macht ballt sich aber woanders: In der Bundestagsfraktion sitzen mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Innenministerium, Ole Schröder, dem Chef der CDU-Kommunalpolitiker im Norden, Ingbert Liebing, sowie dem früheren Landes- und Fraktionsvorsitzenden Johann Wadephul einflussreiche Christdemokraten aus dem Land.

Seit vielen Jahren eine wichtige Rolle in der Landespartei spielt der Europaabgeordnete Reimer Böge. Und beim Landesparteitag Ende November sorgte für Furore besonders einer, der bei der Landtagswahl auch nicht in das Kieler Parlament kam: Ex-Landtagspräsident Torsten Geerdts.

 
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Manche haben fertig, bevor sie überhaupt auf fette Jahre hoffen dürfen. Wie gut, daß es Menschen gibt, die sich wieder auf das entsinnen können, was Menschen ausmacht, einfach leben. Nicht mehr, nicht weniger. Gute ZEIT.

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