Mehr betriebliche Optionen im Flächentarif gefordert
"IG Metall soll zu Sacharbeit zurückfinden"

Nach der Wahl der neuen IG-Metall-Spitze erwarten Bundesregierung und Metall-Arbeitgeber von der Gewerkschaft eine schnelle Rückkehr zur Sacharbeit. „Mit diesen wichtigen Personalentscheidungen kann ein Schlussstrich unter die internen Debatten der vergangenen Monaten gezogen werden“, schrieb Schröder nach Angaben des Bundespresseamtes vom Montag an den neuen IG-Metall-Vorsitzenden Jürgen Peters.

HB/dpa FRANKFURT.Wichtig sei nun, dass die gewerkschaftliche Arbeit in den Vordergrund rücke, „denn unser Land braucht eine starke und handlungsfähige IG Metall“.

Die Metall-Arbeitgeber forderten die IG Metall nach der Beilegung ihrer Führungskrise zu neuen Wegen in der Tarifpolitik auf. „Die alten Rezepte funktionieren zum größten Teil nicht mehr“, erklärte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser am Montag in Köln. Ein „ständiges Streben nach Umverteilung zu Lasten der Betriebe“ sei nicht mehr möglich. Notwendig seien mehr betriebliche Optionen im Flächentarif. Seine Rahmenbedingungen dürften die wirtschaftliche Leistungskraft der Unternehmen künftig nicht mehr übersteigen. „Wir sind kooperationsbereit und wünschen uns von der IG Metall die erforderliche Aufgeschlossenheit für neue Wege.“

Der neue Vizechef der IG Metall, Berthold Huber, sieht nach den Personalquerelen der vergangenen Wochen in der Gewerkschaft Nachholbedarf bei inhaltlichen Fragen. In der Tarifpolitik müsse die IG Metall auch differenzierte Punkte anpacken, sagte Huber am Montag im WDR. Zudem dürfe sie beim geplanten Sozialabbau „nicht alles schlucken“. Die IG Metall werde deshalb verstärkt den Dialog mit der Bundesregierung suchen. Mit dem neuen Vorsitzenden Jürgen Peters gebe es in 90 Prozent der Punkte keine Unterschiede, sondern lediglich „Feinheiten in unserer Argumentation“, sagte Huber.

Sommer stellt sich vor Peters

Der frühere IG-Metall-Vize und Bundesarbeitsminister Walter Riester forderte die Gewerkschaft auf, auf neue Fragen und gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren. Die Gewerkschaften stünden den geplanten Reformen der Bundesregierung größtenteils pauschal ablehnend gegenüber, sagte Riester im Gespräch mit tagesschau.de. „In dieser Allgemeinheit wirkt das eher abschreckend, zumal in der Bevölkerung die Notwendigkeit zu Veränderungen im Kern unbestritten ist, auch wenn es im Einzelfall Widerstand gibt.“

Der Vorsitzende des DGB, Michael Sommer, nahm den neuen IG-Metall- Vorsitzenden gegen Kritik in Schutz. „Peters hat Kanten. Aber Peters hat Gerhard Schröder mal den Industriestandort Niedersachsen gerettet“, sagte Sommer am Sonntagabend in der ARD-Sendung Sabine Christiansen. Dies werde immer vergessen. Zu den geplanten Sozialreformen sagte Sommer, viele Menschen seien den Gewerkschaften dankbar dafür, dass sie Nein dazu sagten. Die Gewerkschaften hätten allerdings nicht deutlich genug gemacht, welche Alternativen sie hätten. „Da haben wir Nachholbedarf“, sagte der DGB-Chef

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Peters war am Sonntag mit dem schlechtesten Ergebnis in der Geschichte der IG Metall zum neuen Vorsitzenden gewählt worden. Beim Gewerkschaftstag in Frankfurt stimmten nur 66,1 Prozent der knapp 600 Delegierten für den bisherigen Vize, dem viele die Verantwortung für das Streikdebakel in Ostdeutschland anlasten. Der baden- württembergische Bezirksleiter Berthold Huber schnitt als neuer zweiter Mann mit 67,1 Prozent kaum besser ab. Mit der Wahl des neuen Vorstandes zog die IG Metall den Schlussstrich unter einen monatelangen Führungsstreit, der nach dem verlorenen Streik um die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland eskaliert war.

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