Deutschland
Meinungen aus der Wirtschaft: „Entzauberung des Kanzlers“

Angela Merkel habe sich im TV-Duelle mit Gerhard Schröder besser geschlagen als erwartet. Das ist die überwiegende Meinung unter Managern und Entscheidern aus der Wirtschaft, die das Handelsblatt sofort nach der Sendung befragt hat.

rje DÜSSELDORF. Zu einem klaren Urteil kommt Klaus-Peter Schöppner , Chef des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid. Er sieht Schröder nicht mehr als unschlagbaren Medienkanzler: "Mein persönlicher Eindruck ist, dass wir heute die Entzauberung des Kanzlers miterlebt haben. In der entscheidenden Frage, wer besser abgeschnitten hat als zuvor erwartet, ist Merkel die Siegerin. In unseren Befragungen vor dem Duell war ganz klar die Erwartung geäußert worden, Schröder würde mit deutlichem Vorsprung aus dem Duell hervorgehen. Jetzt zeigt sich, dass dieser Vorsprung ganz erheblich geschmolzen ist. Schröder kann allerdings immer noch punkten als der bessere Darsteller und der sympathischere Politiker. Merkel liegt bei der Glaubwürdigkeit vorne."

BDI-Chef Jürgen Thumann sieht die Kanzlerkandidatin der Union sogar als deutliche Siegerin aus dem Duell hervorgehen: "Frau Merkel hat Rot-Grün entlarvt. Sie hat gezeigt, dass wir sieben Jahre verloren haben. Denn wir haben über eine Million mehr Arbeitslose. Das ist und nur das ist unsozial. Im Übrigen zeigt der Kanzler in der Debatte eine große Selbstzufriedenheit über seine Politik. Der Wähler möge entscheiden."

Klaus-Peter Schulenberg , Vorstandschef cts eventim war ebenfalls vom Auftritt der Spitzenkandidatin der Union überzeugt und hofft auf einen Regierungswechsel: "Frau Merkel war souverän, glaubwürdig und kompetent. Sie hat erkannt, dass der Schlüssel zu einer Verbesserung in Deutschland in einer neuen Wirtschafts- und Steuerpolitik liegt. Ich kann nur hoffen, dass die Union mit der FDP die kommende Regierung stellt."

Und Berthold Leibinger , Vorsitzender der Geschäftsführung Trumpf-Gruppe geht hart mit dem Kanzler ins Gericht: "Schröder brachte eine Folge wohltönender Absichten. Wenig glaubwürdig und populistisch. Merkel läßt keinen Zweifel, Veränderungen durchzusetzen. Vertrauenswürdiger als Schröder.

DIW-Präsident Klaus F. Zimmermann sieht ebenfalls Vorteile für die Herausforderin: "Merkel hatte für mich leicht die Nase vorn. Nicht etwa, weil Schröder schlecht war - er war gut vorbereitet und war auch im Detail sachkompetent. Die Überraschung aber war Merkel: Sie hat den Kanzler gekonnt attackiert, sachlich argumentiert und bot in Detailfragen viel wirtschaftspolitischen Sachverstand auf."

Bernd M. Michael , Chairman Grey Worldwide, urteilt dagegen etwas moderater: "Ich finde, dass beide eine gute Figur gemacht haben. Aber Frau Merkel profitierte davon, dass Schröder die Vergangenheit oft schön gemalt hat. Die Menschen werden das Gefühl haben, dass er diese Versprechen nicht eingelöst hat. Deshalb wird Schröders Eloquenz Merkel helfen, weil sie im Ton realistischer sprach."

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